Hingehört: Death Vessel – „Island Intervals“


"Island Intervals" entstand bei einem Abstecher nach Island.

„Island Intervals“ entstand bei einem Abstecher nach Island.

Künstler Death Vessel
Album Island Intervals
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Meine drei Lieblingsfakten über Jón Þór Birgisson, genannt „Jónsi“:

1. Er ist der Sänger von Sigur Rós.

2. Er ist auf einem Auge blind.

3. Seinen Auftritt beim Melt 2010 fasste ein englischer Festivalbesucher mit der unsterblichen Spruchweisheit „Shut up, Jónsi! Go fuck a geysir!“ zusammen.

Jetzt kommt noch eine weitere faszinierende Tatsache hinzu: Jónsi (und seinem Lebenspartner Alex Somers) haben wir das dritte Album von Death Vessel zu verdanken. Die beiden luden Joel Thibodeau, den Mann hinter Death Vessel, nach Island ein, und dort entstand innerhalb von drei Monaten mit Island Intervals eine ebenso eigentümliche wie kreative Platte.

Island Intervals lives in the spaces between running away and letting go, and finds its author embracing a life whose most solid, real moments loom and vanish, like a range of mountains that emerges from a bank of low clouds, and just as suddenly slips away”, schreibt Jonathan Meiburg von den Labelkollegen Shearwater im Pressetext zu diesem Album, und das ist eine wundervolle Charakterisierung. Nicht nur, weil sie die Stimmung von Island Intervals schön widerspiegelt, sondern auch, weil sie ebenso poetisch ist wie die Texte bei Death Vessel.

„I don’t know what to do when the universe is in my room / black holes to prove, which creatures to amuse / I don’t know how to behave when there’s nothing in my way / battles to choose, which creatures to refuse”, dichtet Thibodeau beispielsweise in Loom ganz am Ende des Albums, einem Stück, das durchaus typisch ist für den Wechsel aus minimalistischen und opulenten Passagen, die sich auf Island Intervals immer wieder wunderbar ergänzen.

Im weit ausholenden, subtilen und verwunschenen Ilsa Drown darf Jónsi mitwirken, auch deshalb ist da die Verwandtschaft zu Sigur Rós am einleuchtendsten. Mercury Dime ist heiter, unschuldig und fantasievoll, Velvet Antlers hingegen setzt auf einen zupackenden Bass und ein faszinierendes Schlagzeug – und die tolle Melodie des Refrains wird noch dadurch unterstrichen, dass das Klavier sie gleich mitspielt.

We Agreed klingt wie ein modernisierter Donovan und wird ein weiterer Beleg dafür, wie es bei Death Vessel gelingt, mit vergleichsweise gewöhnlichen Zutaten vergleichsweise außergewöhnliche Ergebnisse zu erzielen. Der Auftaktsong Ejecta hingegen fährt zu einem schleppenden Rhythmus ungewöhnliche Sounds wie eine Begräbnis-Orgel, ein Glockenspiel und ein Metallophon auf.

Das Beste an Island Intervals ist sein l’art pour l’art-Charakter: Das ist die Musik eines Freigeists, die kein Publikum braucht, aber trotzdem nicht nur gefällig, sondern einnehmend ist.

Ein Quasi-Video zu Ejecta:

Homepage von Death Vessel.

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