DŸSE – „Das Nation“


Künstler DŸSE

"Das Nation" ist wild, durchgeknallt und gefährlich.

„Das Nation“ ist wild, durchgeknallt und gefährlich.

Album Das Nation
Label Cargo
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Es gibt etliche Dinge, die blau und harmlos sind. Die UN-Friedenstruppen. Die Schlümpfe. Die Abwehr der TSG Hoffenheim. Das Nation, das dritte Album von DŸSE, gehört definitiv nicht dazu. Aus der Ferne sieht die CD zwar aus wie eine Tafel Ritter Sport Vollmilch. Doch das Werk ist weder süß noch ungefährlich.

Waldbart heißt das erste Lied, es bietet Musik, die man sich von Megadeath vorstellen könnte und dazu Geschrei, das so viel Wut zum Ausdruck bringt, dass man nicht einmal versteht, in welcher Sprache hier gebrüllt wird. Später wird es auf Das Nation mitunter noch wilder: Spinne ist brachial und irre, DŸSEnation wird ein auf gespenstische Weise eingängiger Psychosoul, Hans entpuppt sich als Seemannslied, das zugleich wie das letzte Lied der Welt klingt. „Sag Hans zu mir“ – diese Zeile ist hier definitiv als Abschiedsformel gemeint, vom sicheren Boden unter den Füßen und von der Welt an sich. Den Album-Schlusspunkt Sie ist Maschin hätten Therapy? auch nicht kaputter und feuriger hinbekommen.

Das Spannende an DŸSE ist, wie die Band dieses Inferno immer wieder bricht. Die beiden Bandmitglieder Andrej Dietrich (Gitarre, Gesang) und Jarii van Gohl (Schlagzeug, Gesang) sind beide im Osten Deutschlands groß geworden, 2003 haben sie sich in Amsterdam zusammengetan. Das sind beides keine Orte für großen Optimismus, aber vielleicht Orte für große Fantasie – das macht Das Nation immer wieder deutlich.

Die Ai Wei (gemeint ist DIY) wird mit seinem Slogan „Mach es dir selbst“ zwar nicht zu einem Antwortsong auf Tocotronics Mach es nicht selbst, hat dafür aber ein James-Bond-Orchester zu bieten. In Strt jault ein kleines Kind wie eine Katze, das folgende Nackenöffner verwendet dasselbe Riff, spielt es aber mit tausendfacher Kraft und macht daraus die finsterste denkbare Dystopie: „Sie reißen anderen das Gesicht ab / und tragen es als Maske / sie zerstören Ideale / und sie sagen Vielen Dank“, lautet eine typische Zeile.

Out Of Tune, nomen est omen, wird schmerzhaft schief gesungen und offenbart eine Rotzigkeit und einen Nihilismus, der an Nirvana erinnert. Die etwas konventionelleren Momente, auch wenn man dieses Adjektiv hier eigentlich gar nicht verwenden mag, könnten beispielsweise Soundgarden gut gefallen, wie das wuchtige und komplexe Reudikamm. Dass DŸSE sich nach eigenen Angaben den Ruf als „beste Liveband Europas“ erarbeitet haben, kann man in solchen Passagen gut nachvollziehen. Aufregend und provozierend genug ist das aber auch schon auf Platte.

Hatte ich schon „irre“ erwähnt? Das Video zu Spinne.

Homepage von DŸSE.

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