Hingehört: Elias Krantz – „Lifelines“


Künstler Elias Krantz

Lifelines Elias Krantz Kritik Rezension

Krautrock und Asiatisches mischt Elias Krantz auf „Lifelines“.

Album Lifelines
Label Control Freak Kitten
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Zwei Stücke hat Lifelines, das im September erschienene jüngste Album von Elias Krantz, bei einer Gesamtspielzeit von gut 38 Minuten. Der in Stockholm geborene Multiinstrumentalist sieht sich in der Tradition von Minimalisten wie Terry Riley oder Glenn Branca. Und er hat auch für seinen zweiten Longplayer komplett auf Texte und Gesang verzichtet.

Das Erstaunliche ist dabei, wie selbstverständlich seine Musik mit diesem Ansatz dennoch klingt. Der Schwede baut Synthies, Bläser und Atonales in sein Werk ein, das Ergebnis ist mit „Vangelis meets King Crimson!“ (Nordische Musik) gar nicht mal schlecht zusammengefasst. Und in keinem Moment hat man das Gefühl, hier tobe sich nur jemand im Genre-Dschungel aus. Stattdessen gibt es zwei stimmige Tracks, denen man den Einfluss japanischer Musik (namentlich Haruomi Hosono und Ryuichi Sakamoto) ebenso anmerkt wie die Tatsache, dass Elias Krantz sich jenseits seines Solo-Werks gerne in Krautrock-Bands betätigt.

Patchwork ist ein sehr passender Titel für das erste Stück, das sogleich die A-Seite füllt: Der Bass gibt zu Beginn die Richtung vor, was dann folgt, ist manchmal orientalisch, manchmal spacig. Nach gut sechs Minuten scheint das Stück dann beinahe komplett zum Stillstand zu kommen, sich zu sammeln und zu besinnen, bis es dann nach 15 Minuten mit neuer Kraft dem Ende entgegen steuert.

On Time badet wir zunächst in einem Nebel, einer Ursuppe. Dann beginnt eine E-Gitarre, für etwas Struktur zu sorgen. Nach sieben Minuten tritt auch hier beinahe vollständige Stille ein, bis wieder die Gitarre das Heft an sich reißt, man mit etwas Fantasie sogar eine Frauenstimme im Hintergrund ausmachen kann und das Finale schließlich erstaunlich energisch und sogar funky wird.

Nach Schema F oder den traurigen Gestalten, die sich im Studio an Jam-Sessions mit sich selbst ergötzen, wirkt das kein bisschen. Vielmehr wie ein sehr musikalischer Kopf, der nie genug Zeit für all seine Ideen hat.

Der erste Teil von On Time als Video.

Elias Krantz bei Facebook.

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