Hingehört: Field Music – „Commontime“


Künstler Field Music

Cover des Albums Commontime von Field Music

Field Music haben auf „Commontime“ auch Lust auf Groove.

Album Commontime
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

In und um ihre Heimatstadt Sunderland sind die Brüder Peter and David Brewis so umtriebig, dass man kaum glauben mag, sie hätten noch Zeit für ihre eigene Band. Die Lust auf Field Music ist allerdings ungebrochen, beteuert David Brewis: „As much fun as we might have had on our own or collaborating, we missed just spending time in the studio, the two of us, trying things out and playing together.“

Das Ergebnis der neusten Zusammenarbeit ist Commontime, das übermorgen erscheinende sechste Album der Band. „Common“ im Sinne von gewöhnlich ist darauf selbstverständlich nichts, viel eher schon sind die 14 Songs „common“ im Sinne von vertraut. Was Field Music stets ausgezeichnet hat, zelebrieren sie auch hier wieder: enorm originelle Quasi-Popmusik, der man – beispielsweise in They Want You To Remember – in jedem Moment ihre Könnerschaft anhört, bei der das Elaborierte aber niemals zum Selbstzweck wird.

Am Beginn des Albums steht The Noisy Days Are Over. Das Lied referiert ein Gespräch zweier in die Jahre gekommener Freunde, die ihren gemeinsamen „bad old boozy days“ nachtrauern. Die Musik ist so ungewöhnlich wie das Thema: Der Song brodelt, unter anderem dank einer hyperaktiven Gitarre und eines zweiten Beats auf dem linken Kanal, der völlig neben der Spur ist.

Stay Awake zeigt, wie wichtige Präzision und Organisation bei Field Music sind. Das packende Disappointed wirkt zunächst sehr straight, baut aber viele ungewöhnliche Details ein. I’m Glad klingt, als interpretierten die Talking Heads Nutbush City Limits neu.

Oft scheint am Anfang des Entstehungsprozesses ein Beat gestanden zu haben, Field Music machen sich einen Spaß daraus, dem Hörer geradezu vorzuführen, wie die Lieder konstruiert sind. Es gibt auf Commontime keinen Song, der überwältigt, berauscht oder blendet, sodass man nur noch ein einziges Gefühl von Musik wahrnehmen kann. Stets sind die einzelnen Elemente, Teile und Schichten transparent, und gerade dadurch wird die hohe Kunst dieser Kompositionen deutlich.

Trouble At The Lights gehört dazu, das mit seiner Lust auf Theatralik einer der verrückteren Momente von Queen sein könnte. Don’t You Want To Know What’s Wrong? beweist, dass man im Hause Brewis bei aller Lust auf Intelligenz und Tüfteln auch die schlichte Macht des Grooves zu schätzen weiß. Und The Morning Is Waiting unterstreicht die vielleicht wichtigste Stärke dieser einzigartigen Band: Komplex und filigran ist schön und gut, aber Field Music wissen, dass ein funktionierendes Lied immer zuallererst ein Gefühl braucht.

Lust auf Groove demonstriert auch diese Live-Version von Disappointed.

Website von Field Music.

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