Gregor McEwan – „Much Ado About Loving“


Künstler Gregor McEwan

Liebe, aber nicht banal - das ist die Kunst bei Gregor McEwan.

Liebe, aber nicht banal – das ist die Kunst bei Gregor McEwan.

Album Much Ado About Loving
Label Welcome Home Music
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Ein unfassbarer Auftakt ist das. Gregor McEwan lässt im ersten Lied seines zweiten Albums nicht nur als erstes die Stimme von Tess Wiley erklingen statt seiner eigenen. Er liefert mit First Leg auch einen Track ab, der mit einem verwehten Beat beginnt, sich dann über ein paar einzelne Gitarrentöne und schwere Klavierakkorde hin zu einem mächtigen Streicher- und Bläsersound entwickelt. „And I can’t let go of your love and your hand“, singt Gregor McEwan am Ende, drei Minuten lang, mit 200 Prozent Einsatz und 400 Prozent Herz. Das ist so beeindruckend, dass man sich fragen muss: Was soll danach noch kommen?

Die Antwort lautet: eine ganze Menge. Much Ado About Loving hat beispielsweise noch Zeilen wie „When the only thing that stands between you and her is and” zu bieten, außerdem ein Waschbrett, eine Flöte, eine Trompete, ein Akkordeon und Meeresrauschen. Es ist ein formidables Album. Dass der Mann aus Haltern am See, der eigentlich Hagen Siems heißt und mittlerweile in Berlin lebt, hier die Liebe besingt, in verschiedensten Ausprägungen, fühlt sich in keinem Moment banal an, sondern immer waidwund, berührend, ergreifend.

Everything To Me bietet die Sorte Romantik, die auch harten Kerls nicht peinlich sein muss. Wenn Milow in einer Kneipe aufgewachsen wäre statt in einer Wattebäuschchenfabrik, würde er vielleicht Lieder hinbekommen wie Manners Make The Man. „I love you and you hate me / so why don’t we make a baby / that’s a bit like you and a bit like me / so we can see how easy it could be“, lautet die überzeugende Logik darin, am Ende dürfen passend dazu zwei Kinder mitsingen. Der Titelsong wird nach einem Ukulelen-Intro herrlich inspirierter Rock, mit der besten Strophe des Albums: „Got a minor key and an open road / need a major key for the open road / if you’re leaving me, well I don’t care / cause you stole my heart, I stole your underwear.“

Get In, Jamming, Slamming, Ramming ist ein tolles Beispiel dafür, wie viel Abenteuerlust in jedem einzelnen Lied von Much Ado About Loving steckt. Das Lied beginnt mit mächtigen Hardrock-Schlagzeug und findet irgendwie den Weg zu einem Cello-Outro, zwischendurch gibt es ein enorm ansteckendes Spiel mit Call-and-Response-Gesang. Im akustischen Joanna kommt nochmal Tess Wiley zum Einsatz, die Gregor McEwan auch schon auf dem Debütalbum Houses And Homes unterstützt hatte.

Rhododendron wird eine Ode an die Heimat, im festen Bewusstsein, dass man sie ehren muss, egal wie kacke sie auch sein mag. „Ever since I picked up my guitar / I know who I am and who they are“, dichtet Gregor McEwan über die Identitätsfindung, die dort stattfand, die Musik dazu würden Mumford & Sons oder Ryan Adams auch nicht besser hinbekommen. Postcards And Polaroids ist kraftvoller und erdiger Rock ohne Angst vor Pop-Appeal, mit dem sich Gregor McEwan sehr elegant irgendwo zwischen Ben Kweller und Frank Turner platziert. Die Single Oh Daddy ist im höchsten Maße souverän, der tolle Refrain von Silver And Gold erinnert an Noel Gallaghers High Flying Birds.

Nirgends auf diesem Album wird das Rad neu erfunden, aber alles ist stilsicher, spannend und echt. Dem Urteil von Greatest Berlin ist nichts hinzuzufügen: „Was Much Ado About Loving wirklich ganz großartig macht, sind die Kunst der richtigen Mischung und das Händchen für die perfekten Zutaten. Das gilt für Melodie und Instrumentierung, Stimme und Stimmung wie auch für Gänsehaut und Lachfalten.“

Putzig: Aus Russisch Brot hat Gregor McEwan das Video zu Manners Make The Man gebastelt.

Homepage von Gregor McEwan.

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