H. Hawkline – „I Romanticize“


Künstler H. Hawkline

H. Hawkline I Romanticize Kritik Rezension

In Wales und L.A. entstand „I Romanticize“.

Album I Romanticize
Label Heavenly
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Die Musik von H. Hawkline alias Huw Evans klang bisher keineswegs nach einer verkrampften Kopfgeburt, die er sich in vielen mühsamen Stunden quasi unter Schmerzen selbst abringen musste. Doch der Mann aus Wales selbst hat erst jetzt, bei seinem gerade erschienenen vierten Album I Romanticize, das Gefühl von Leichtigkeit erlebt. “This has been the first record I’ve made where I’ve felt as if everything came completely naturally, like post that comes with a handwritten address“, sagt der Sänger. „It fell together like a cat onto the floor.”

Es sind Lieder wie Engineers, die das sehr eindrucksvoll bestätigen: Der Song wirkt ursprünglich und spontan, ist aber klar konzipiert (und im Sound nicht weit weg von Madness). Auch Last Days In The Factory zeigt diesen Kontrast zwischen ganz simplen Elementen und extrem ausgetüfteltem Arrangement. Die Ballade Last Thing On Your Mind passt ebenfalls in diese Reihe, denn ihr Tenor scheint zu lauten: weniger Opulenz, mehr Emotion.

Aufgenommen wurde das Werk in seiner walisischen Heimat und in Los Angeles. Die meisten Songideen, vor allem die Texte, entstanden im Westen von Wales. “Some words, as with their meaning, are unavoidable – ‘love’, ‘goodbye’, ‘time‘, ‚you‘, – but you can at least try and dress them up in some new clothes”, sagt H. Hawkline dazu, und wie gut ihm das gelingt, beweist etwa Impossible People. „I’m in love with impossible people“, heißt es darin – eine Erkenntnis, wie sich auch Devendra Banhart (mit dem er bald auf Tour geht) kommen könnte, natürlich viel zu spät. My Mine zeigt, dass in ihm nicht nur ein großer Zyniker steckt, sondern auch ein großer Klassizist, nicht nur wegen der Anspielung auf einen der größten Solo-Hits von John Lennon im Text.

Als Gäste sind etwa Cate Le Bon (sie hat coproduziert wie schon beim 2015er Vorgänger In The Pink Of Condition) und Stella Mozgawa (Warpaint) dabei. “They were the absolute best people for the job, and I also happen to be lucky enough to call them friends. Without their hands and ears the wet clay would have collapsed”, sagt H. Hawkline. So sehr das alles nach Komfortzone klingt: Ein paar Neuerungen in seinem Werk bietet I Romanticize durchaus. An erster Stelle ist da der sehr prominente Einsatz von Keyboards und Synthesizern zu nennen, am deutlichsten im beinahe komplett elektronischen Cold Cuts, aber auch in Television, bei dem man kaum entscheiden kann, ob das New Wave ist oder doch eine Persiflage davon.

Dem stehen (glücklicherweise) aber auch noch die vertrauten Gitarren gegenüber, etwa in Salt Cleans mit seinem sehr eigenen Groove: Mit etwas mehr Biss wäre das von Art Brut vorstellbar, sogar von den Libertines. Der Gesang im Albumauftakt Means That Much enthält reichlich Schauspiel, der Gesamteindruck ist putzig und old-timey, wie es die Beatles in ihrer mittleren Phase manchmal mochten. Love Matters (da ist wieder eines der unvermeidbaren Wörter) ist gewollt schräg und doch mit einem großen Faible für Eingängig- und Niedlichkeit, sodass man unweigerlich an Adam Green denken muss.

“To my ears it’s pretty accessible pop music, but maybe there’s something wrong with my ears”, scherzt H. Hawkline über I Romanticize. Das zeigt seine vielleicht beste Eigenschaft: Seine Musik muss zuerst für ihn selbst interessant sein, erst dann kommen alle anderen.

Nach dem Video zu Impossible People muss jemand dringend das Bad putzen.

H. Hawkline bei Facebook.

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