Hingehört: Haley Bonar – „Impossible Dream“


Künstler Haley Bonar

Haley Bonar Impossible Dream Kritik Rezension

Ganz analog und in ihrer Wahlheimar Minnesota hat Haley Bonar ihr fünftes Album aufgenommen.

Album Impossible Dream
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Als eine „verschmitzte Meisterleistung des Indie-Pop-Songwritings“ hat Consequence Of Sound das bisher letzte Album von Haley Bonar, Last War (2014), gefeiert. Das ist ein Lob, das auch auf den heute erscheinenden Nachfolger Impossible Dream zutrifft. Ihr fünftes Album lebt aber nicht nur von klasse Kompositionen. Als ganz großer Pluspunkt erweist sich, wie die 33-Jährige gemeinsam mit Co-Produzent Jacob Hansen diese umgesetzt hat.

Im Kern ist Impossible Dream natürlich hohe Singer-Songwriter-Kunst, aber das Album profitiert enorm von der Instrumentierung mit einer kompletten Band und sehr viel Dynamik in den Arrangements. Dass es hier nicht nur ein bisschen Fingerpicking und Lagerfeuersound gibt, sondern auch mal eine E-Gitarre oder einen Synthesizer und vor allem ein sehr robustes Rhythmus-Fundament, sorgt nicht nur für die nötige Abwechslung, sondern ist auch ein wichtiges Gegengewicht zur sehr dominanten Stimme von Haley Bonar.

In Stupid Face beispielsweise scheint das Schlagzeug den Rest des Songs überholen zu wollen. Skynz bietet einen famosen Kontrast aus der reizvollen Trägheit und Schwermut ihres Gesangs und dem Druck und der Dramatik, für den die Band sorgt. Jealous Girls wirkt, als hätte Lana Del Rey ihre Musik zwanzig Jahre nach vorne gebeamt (also zumindest schon einmal in die Siebziger). Das sehr gelungene Kismet Kill macht deutlich, wie Sophie Zelmani klänge, wenn sie plötzlich Rocksongs machen würde. Called You Queen hat einige Gene von Belinda Carlisle, dazu viel Tempo und noch mehr Entschlossenheit. Auch in Your Mom Is Right glänzen ihre Mitstreiter ebenso wie die mittlerweise wieder in Minnesota lebende Sängerin selbst: Das Schlagzeug spielt einen straighten 2/4-Takt, der Bass ist sehr prominent, am Ende gibt es eine gute Minute lang eine rein instrumentale Passage, als müssten sich alle Beteiligten erholen von der Leidenschaft, die sie auf dem Höhepunkt des Songs erschaffen haben.

Zur klanglichen Vielfalt passt die Bandbreite der Themen, wie Haley Bonar in ihrer Zusammenfassung des Albums andeutet: „Everybody wants a story. Something to sell. I’m here to tell you that there isn’t one with this album, at least in the traditional sense, but ten. I could sit here and tell you that some of the songs are about growing up in the Black Hills. Some of the songs are about my parents. Some of the songs are about homosexuality. Some of the songs are about loss of youth, teenage parenthood, the lines of social disorder for women, or the terror of jealousy and suspicion. But what I write is born of my own set of memories and ideas, and once they are released into the world, they do not belong to me anymore.“

Bloß nicht festlegen lassen – dieses Ziel strebt Haley Bonar unverkennbar an. Sie erreicht es auf Impossible Dream auf unnachahmlich kreative und souveräne Weise. I Can Change heißt passenderweise einer der Songs, der Titel klingt darin wie eine Beteuerung, ein Versprechen, das sie wohl auch sich selbst gibt. Im ebenso knackigen wie kurzweiligen Schlusspunkt Blue Diamonds Fall wird dieser Gedanke wieder aufgegriffen. „You can be whatever you like“, heißt es da – und es macht enormen Spaß, Haley Bonar beim Ausleben ihrer vielen Rollen zu begleiten.

Haley Bonar spielt Better Than Me fürs Radio.

Im Oktober gibt es Deutschland-Konzerte von Haley Bonar:

13.10. Hamburg, Kleiner Donner

14.10. Berlin, Privatclub

15.10. München, Hauskonzerte

16.10. Offenbach, Hafen 2

Haley Bonar bei Facebook.

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