Hingehört: Holy Ghost! – „Dynamics“


Künstler Holy Ghost!

Mehr Selbstvertrauen und viel Popappeal zeigen Holy Ghost! auf "Dynamics".

Mehr Selbstvertrauen und viel Popappeal zeigen Holy Ghost! auf „Dynamics“.

Album Dynamics
Label DFA
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

„I’m trying to make music that makes me as unabashedly giddy as music made me when I was a kid”, sagt Nick Millhiser, die eine Hälfte von Holy Ghost! Der Mann, der gemeinsam mit Bandkollege Alex Frankel dieses Duo bildet, hat auch eine gute Begründung dafür: „I think that’s a big part of why we’re so obsessed with sounds. Because I think more abstract things, like sound, take [you] places. It’s a guttural, sort of ambiguous familiarity to things you grew up with that I think, when you get older, you come back to. And you’re like, ‘Oh – this really is the best.’”

Die Zeit, von der Millhiser spricht, die Zeit seiner Kindheit, sind die Eighties. Auf Dynamics, dem zweiten Album des Duos aus Brooklyn nach dem Debüt vor zwei Jahren, feiern sie fröhlich Urständ. Schon der Opener Okay klingt wie ein Klassiker aus dem Hause OMD oder Erasure, Das zurückgenommene I Wanna Be Your Hand lässt an Crowded House oder Spandau Ballet denken, der leichtfüßige Rausschmeißer Cheap Shots ist wie gemacht für einen John-Hughes-Film.

Dynamics verströmt eine große Anmut, hat viele gute Songs, die oft im letzten Drittel noch ein bisschen besser werden und das besondere Etwas bekommen, und es macht vor allem konsequent gute Laune. Changing Of The Guards klingt beinahe überstürzt, so viel Vorwärtsdrang steckt da drin. Mit der zentralen Aufforderung „Shake it off!“, ganz viel Pop-Appeal und einem tollen Beat zum Hüpfen à la Hot Chip bestreiten sie die mehr als acht Minuten des grandios betitelten Dumb Disco Ideas. Wie Musik aus einer Disco, in der niemand schwitzt und kotzt und ausrutscht und wo sogar der Türsteher gut aussieht und lächelt, klingt Bridge And Tunnel.

Man merkt Holy Ghost! an, dass sie ihr zweites Album mit viel mehr Souveränität angegangen sind. Alex Frankel mag seine Stimme inzwischen etwas mehr als früher, es gibt nicht mehr so viele zusätzliche Gesangsspuren im Hintergrund, hinter denen er sich versteckt. Die Produktion spiegelt die Erfahrungen wider, die Holy Ghost! als Remixer unter anderem für MGMT, Cut Copy, Moby, Phoenix und LCD Soundsystem gemacht haben. Zudem haben sie sich diesmal einen längeren Auswahlprozess gegönnt – mit dem Ziel, die wirklich guten Ideen herauszufiltern.

Dynamics is really a descriptive term we used to focus on contrast, but it’s also referring to a lot of Alex’s lyrics this time around, which deal with the dynamics of relationships. It’s a good single-word descriptor of what we were trying to do with these songs, something we kept coming back to when writing and recording”, erklärt Nick Millhiser den Albumtitel, und zur Dynamik der Platte gehört auch, dass sie sich keineswegs auf Achtziger-Referenzen beschränkt. Dance A Little Closer beispielsweise beginnt mit einem Schlagzeug, einem Bass und einem Gesang, der wie ein synthetisierter und sehr origineller Motown-Ersatz klingt. Don’t Look Down wird betörend und enthält etwas, das man für einen verfremdeten Dudelsack halten könnte. In The Red wirkt beinahe, als sei es bloß geträumt.

All das macht Dynamics zu einem großen Vergnügen. Auch wenn Nick Millhiser damals vielleicht einfach noch zu klein war, um es zu bemerken: So gut, so cool und so elegant, wie sie hier wiederauferstehen, waren die Eighties gar nicht.

Nicht allzu dynamisch: Holy Ghost! im Video zu Okay:

Homepage von Holy Ghost!

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