Hingehört: Hope Sandoval And The Warm Inventions – „Until The Hunter“


Künstler Hope Sandoval And The Warm Inventions

Until The Hunter Hope Sandoval And The Warm Inventions Kritik Rezension

In Dublin ist „Until The Hunter“ entstanden.

Album Until The Hunter
Label Tendril Tales
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

“Let’s feel that atmosphere again”, ist einer der ersten Sätze, den Hope Sandoval auf diesem Album singt. Was sie damit meint, ist allen klar, die schon mit den ersten beiden Alben dieses Projekts vertraut sind: Eine leise Orgel und sanftes Schlagzeug prägen den Opener Into The Trees. Dieser Auftakt klingt, als hätten alle Musiker vor der Mitwirkung an diesem Lied einen Vertrag unterschrieben, der besagt: Ihr müsst maximal feinfühlig und behutsam sein, denn die Dame des Hauses hat Sehnsucht nach ihrem Liebsten! In der Tat erweist sich das als Thema des Songs, und wenn Hope Sandoval am Ende dieser 9 Minuten zum x-ten Male „I miss you“ singt, dann klingt das auch deshalb so manisch, weil der Rest der Musik scheinbar so wenig Leidenschaft enthält.

Die Vertrautheit des Sounds ist die Entsprechung der Vertrautheit der beiden Musiker: Hope Sandoval (sonst bei Mazzy Star) und Colm Ó Cíosóig (Gründungsmitglied von My Bloody Valentine) machen seit fast 20 Jahren gemeinsam Musik. „We always tell each other: Oh, your telepathy is spot-on“, beschreibt die Sängerin diese Beziehung. Tracks wie das hingehauchte Salt Of The Sea oder das untröstliche Day Disguise belegen dieses fast traumwandlerische Miteinander.

Natürlich bietet das übermorgen erscheinende Until The Hunter auch Spannung, wenn auch in Nuancen. A Wonderful Seed beschränkt sich auf akustische Gitarre und Geisterchor. I Took A Slip wirft die Frage auf, wer jemals auf die Idee gekommen wäre, bei Hope Sandoval And The Warm Inventions eine Geistesverwandtschaft zu Simon & Garfunkel zu vermuten. Liquid Lady entwickelt eine schicke Dramatik und Isn’t It True beweist eine reizvolle Beiläufigkeit, die man beinahe als Schwung begreifen kann.

Aufgenommen wurde das Album in Dublin, wo Hope Sandoval And The Warm Inventions auch Kurt Vile als Gast begrüßen konnten. Er ist der Duettpartner in der Single Let Me Get There, die eine wunderbar einheimelnde George-Harrison-Atmosphäre bietet. “It was a total honor to sing along to a beautifully hypnotic soul groove with heavyweights like Hope, Colm, and all the other top notch musos”, sagt Kurt Vile. “To respond to Hope’s call in song of letting her get there felt right and real and gave me chills while singing, even though I knew they already got there years before I walked in the building.”

Das Träumen vom Anderswo oder von diesem besonderen Menschen, der irgendwo in der Ferne ist, kann als Leitmotiv von Until The Hunter durchgehen. “How did I get here? And where are you now?”, fragt Hope Sandoval in The Peasant, nicht nur ihre Hilflosigkeit, sondern auch der Mellow-Country-Sound gemahnen dabei an Sophie Zelmani. In The Hiking Song scheint sie sich, angetrieben von Picking auf der akustischen Gitarre, auf den Weg zu machen, auf dem ihr dann wunderschön wehmütige Streicher begegnen. Im fast somnambulen Treasure hingegen droht ein Abschied: “Tomorrow will be a departure.”

Das ist durchweg so hübsch, dass auch das Fehlen von Überraschungsmomenten kaum ins Gewicht fällt. Wenn man diesen Sound und diese Stimme mag, wird man alles auf diesem Album lieben. Wenn man mit beidem nichts anfangen kann, wird Until The Hunter nichts bieten, was einen vom Gegenteil überzeugen kann. Colm Ó Cíosóig bringt es auf den Punkt: „It’s basically a continuation of what we’re doing all the time.“

Im Video zu Let Me Get There haben sich Hope Sandoval und Kurt Vile, ähm, vertont.

Website von Hope Sandoval.

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