Hingehört: I Heart Sharks – „Anthems“


Freude ohne Aufwärmphase - das ist das Prinzip von "Anthems".

Freude ohne Aufwärmphase – das ist das Prinzip von „Anthems“.

Künstler I Heart Sharks
Album Anthems
Label Island
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

„Als ich mit 13 das erste Mal Little Richard schreien hörte, das klang so wild, so exzessiv, dass ich Angst hatte, auf der Stelle wahnsinnig zu werden“, schreibt John Peel an einer Stelle in seiner Autobiografie. „Im Grunde ist es diese Erfahrung, auf die ich noch heute hoffe, wenn ich eine Platte auflege.“ Es gibt wenige Sätze, die so treffend beschreiben, wie unmittelbar Musik funktionieren kann, wie sie binnen Sekunden die Stimmung heben, die Welt auf den Kopf stellen, ein Leben verändern kann. Wie ein Lied zündet, ohne Vorwarnung, sofort. I Heart Sharks sind Meister dieser Unmittelbarkeit.

Anthems haben sie ihr zweites Album genannt, und das ist nicht zuviel versprochen. Es gibt viel gute Laune auf dieser von Joseph Cross (Hurts, The Courteeners, Jana Josephina) produzierten Platte, die in einer stillgelegten Textilfabrik in Manchester und dem früheren DDR-Funkhaus in Berlin aufgenommen wurde. Dazu kommen ein sehr modernes Pop-Verständnis und das Wissen, dass man nicht unbedingt allzu viel Identität oder Tiefgang braucht, solange man über Hits verfügt.

Das soll nicht bedeuten, dass Pierre Bee, Simon Wangemann und Martin Wolf mit Anthems gesichtslose Wegwerf-Musik vorlegen würden. Die drei Jungs aus London, New York und Bayern, die sich 2007 in Berlin zusammen getan haben, beweisen etwa mit The High Rise, dass man keineswegs plump sein muss, wenn man schwung- und effektvoll daher kommt. Oder sie lassen unter anderem im Titelsong ein bisschen Raum für Dave-Gahan-Düsternis. Aber sie wissen auch um den Wert eines Killer-Refrains wie in der Single To Be Young, eines 210 Sekunden langen Rundum-Glücklich-Pakets wie Meet Me In The Nowhere oder eines Slogans wie „It’s us against whatever“ (aus Us).

„You and I will make it to the headlines“, lautet in Headlines noch so eine Bilderbuchzeile, und diese Prophezeiung ist durchaus realistisch bei so viel Hitpotenzial. Der Opener Strangers baut in der Strophe Spannung auf, die sich dann in einem fast infantil fröhlichem Refrain entlädt. Gegen einen Song wie Karaoke wirkt das gesamte Schaffen von Katy Perry beinahe subtil, aber das kann man einem Popsong wohl kaum vorwerfen. Der Track ist kalkuliert, aber wirkungsvoll, und er illustriert vielleicht am besten das Credo von I Heart Sharks, „Maschinenmusik zu machen, die eine menschliche Seele hat, Gitarren als Synthesizer und Synthesizer als Gitarren zu nutzen. Mit anderen Worten, eine Musik zu schaffen, welche die zynische, pseudo-intellektuelle Behauptung widerlegt, Musik, die den Körper bewegt, könne den Geist nicht bewegen und umgekehrt.“

Auch Wait ist nicht sonderlich innovativ, aber sehr clever. Reykjavik (Stay Here) zeigt, dass ein toller Refrain manchmal auch davon ablenken kann, dass der Rest des Lieds nur Durchschnitt ist. Die Ballade Only Love ist so schick, wie man das erwarten darf von einer Bänd, deren Sänger Pierre Bee für Zeit Online einen Blog über die Berliner Fashion Week geschrieben hat.

Dass es I Heart Sharks geschafft haben, ihr Debütalbum Summer im Jahr 2011 von den Fans finanzieren zu lassen, leuchtet sofort ein: Das Trio macht Musik, die man ohne Abtastphase ins Herz schließen kann. Mit dem Nachfolger Anthems illustrieren sie nun wunderbar, was eine Hymne zur Hymne macht: Pathos, Mitsing-Melodie, Stolz – und Zusammengehörigkeit.

Alte Liebe rostet nicht, heißt wohl die Botschaft im Video zu To Be Young.

I Heart Sharks sind demnächst live zu erleben:

24. April: Erfurt, Museumskeller

25. April: Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

26. April: Hamburg, Molotow

29. April: Berlin, Bi Nuu

30. April: Dresden, Beatpol

2. Mai: Leipzig, Täubchenthal

3. Mai: München, Strom

7. Mai: Nürnberg, MUZ

10. Mai: Frankfurt, Nachtleben

Homepage von I Heart Sharks.

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