Hingehört: Jana Josephina – „Contradiction“


Innovativ und eingängig, das ist auf "Contradiction" kein Widerspruch.

Innovativ und eingängig, das ist auf „Contradiction“ kein Widerspruch.

Künstler Jana Josephina
Album Contradiction
Label Check 1 2 Perfect
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Es gibt ein paar Dinge, die kann man als Musikjournalist gar nicht leiden. Todsünden, die ein Künstler begehen kann, mit denen er sofort unten durch ist. Jana Josephina aus Frankfurt begeht auf Contradiction, ihrem ersten englischsprachigen Album (2009 hatte sie schon eine deutschsprachige Platte namens Karussell der Liebe aufgenommen), gleich zwei davon.

Die erste: Man versaut dem Rezensenten die Chance, besonders poetisch zu erscheinen. Wie sie das anstellt? Das erste Lied auf Contradiction heißt Avian Me, und natürlich bietet so ein Titel für Musikkritiker eine Steilvorlage: Mit welcher Art von Vogel fühlt sich Jana Josephina wohl verwandt? Aus dieser Frage könnte man ein wunderbares Leitmotiv machen.  Und während man sich nun ein paar Varianten zurecht legt, vom Papagei (alles bloß nachgemacht) über den Schwan (majestätisch und romantisch) bis hin zum Paradiesvogel (schillernd und exotisch), gibt sie im drittletzten Lied ihres Albums einfach selbst die Antwort. „I was born to be a nightingale“, singt sie da.

Die zweite: Man nimmt dem Rezensenten die Chance, besonders schlau zu erscheinen. Contradiction bietet einige spannende Ansatzpunkte, um den Sound von Jana Josephina zu beschreiben. Man kann sehr geschmackvolle Kenntnisse der Popgeschichte erkennen, etwa im Superstition-Clavinet von Dreamdancer oder dem an die Pipettes erinnernden Neo-Girlgroup-Flair in Tomorrow, dem besten Song des Albums. Man kann auch die Vorbilder erkennen, die Jana Josephina bereitwillig anführt, etwa Kate Bush, deren Opulenz, Theatralik und hohe Stimme am Ende von Ghost anklingt, oder Ellie Goulding, die bestimmt auch gerne ein so unbeschwertes und souveränes Lied wie Right Now singen würde. Aber bevor man irgendetwas davon zu Ende gedacht hat, liefert die Künstlerin selbst die beste Charakterisierung. „Pop, aber zugänglich; kribbelig, aber erwachsen“ – so erklärt sie ihren Sound.

Viel Energie, viele Ideen und viel Verständnis dafür, was einen guten Popsong ausmacht, steckt in diesen Liedern. Charm ist ein Beispiel dafür, auch die Single I Know findet eine sehr gute Balance aus Innovativem und Eingängigem. So viel Könnerschaft kommt nicht von ungefähr: Jana Josephina betreibt seit 2005 ein eigenes Studio, hat also reichlich Gelegenheit, ihre Songs immer weiter zu perfektionieren. Mit dem Engländer Joe Cross (Hurts, I Heart Sharks, The Courteeners) hat sie zudem einen höchst talentierten Mitstreiter an ihrer Seite. Nicht zuletzt haben die beiden eine Arbeitsweise gefunden, die viel Freiraum lässt. „Normalerweise starten wir mit der Hook. Wir finden etwas, das catchy klingt und gehen von dem Punkt aus weiter“, sagt Jana Josephina, die unter dem Namen Jana Leipziger übrigens auch als Schauspielerin aktiv ist.

Dass Contradiction so international klingt, ist natürlich ein Pluspunkt. „Es gibt einige Dinge, die ich auf Deutsch niemals sagen würde – es scheint zu offen und direkt. Auf Englisch darf ich so offen und direkt sein“, erklärt die Sängerin ihren Schwenk von der Mutter- zur Fremdsprache. Say What You Want beispielsweise ist ein Lied „über eine gescheiterte Beziehung, wenn man aber immer noch Verbindung zu der anderen Person hat – du kannst sie nicht gehen lassen und fühlst dich wie in einem Käfig“, erklärt Jana Joesphina, und dieses Gefühl setzt sie wunderbar um mit einem Sound, der aus Klavier, Bangen und sonst fast nichts besteht.

The Greatest könnte man sich (auch weil der Track weiß, dass es manchmal schon reicht, einfach schön zu sein) auch gut im Repertoire von 2Raumwohnung vorstellen, Still wird dafür eine Ballade, die ihre Ernsthaftigkeit ohne ein Gramm Schmalz erreicht. Der Rausschmeißer Avalanche könnte sogar als verlorener TripHop-Klassiker durchgehen. „This ist he last song / about you“, ist zudem eine sehr gewitzte Zeile in einem Lied, das das letzte des Albums ist.

Wer solche Songs macht, der darf auch ein paar Todsünden begehen, und am Ende sogar noch die Sache mit dem Vogelwesen erklären: „Ich liebe meine Worte – da ist eine Menge Leben, Schmerz und Glück drin. Und ganz viele Tränen und Freude“, sagt Jana Josephina. „Ich fühle mich wie ein Vogel, der seine Familie und Freunde mit diesen kleinen Liedern berührt.“

Viele Tote und noch mehr Bäume gibt es im Video zu Avalanche.

Homepage von Jana Josephina.

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