Hingehört: John Carpenter – „Lost Themes“


Künstler John Carpenter

Die "Lost Themes" sind Musik, die düstere Bilder malt.

Die „Lost Themes“ sind Musik, die düstere Bilder malt.

Album Lost Themes
Label Sacred Bones
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Hat da jemand “Die Toten Hosen” gesagt? Dass ich nicht lache. Wenn es um Ein kleines bisschen Horrorshow geht, dann führt kein Weg an John Carpenter vorbei. Der 67-Jährige hat bei mehr als 20 Filmen Regie geführt, darunter Klassiker des Horror-Genres wie Halloween oder Blockbuster wie Die Klapperschlange. Und fast immer hat er dabei auch selbst die Musik komponiert.

Jetzt legt der Amerikaner mit Lost Themes sein erstes Album ohne dazugehörigen Film vor. „Ich hoffe, dass dieser Soundtrack Leute dazu inspiriert, Filme zu drehen, die mit dieser Musik abgerundet werden könnten“, sagt der Altmeister über die neun durchweg instrumentalen Songs.

Für ihn selbst war die Arbeit an der Platte pures Vergnügen. „Bei Lost Themes geht es einzig und allein darum Spaß zu haben. Ich hatte keinen Druck. Kein Schauspieler hat mich gefragt, was er zu tun hat. Es gab keine Crew, die gewartet hat. Es gab keinen Cutting Room, in dem man sich hätte blicken lassen müssen. Es geht nur um den Spaß“, schwärmt er.

Unterstützt wurde er unter anderem von seinem Sohn Cody, die gemeinsame Arbeitsmethode beschreibt er als „Soundtrack-Sampler“: Carpenter hat mit etlichen Versatzstücken aus seinem bisherigen Schaffen und vielen neuen Ideen gespielt und erstmals auch mit digitaler Technik gearbeitet. „Die Grundidee war, meine Musik noch kompletter und voluminöser werden zu lassen“, schildert er seine künstlerische Vision für Lost Themes.

Das Ergebnis ist etwas altbacken, aber so, wie die Musik zu einem Horrorfilm sein muss: theatralisch, plakativ und dramatisch. Auch die klassischen Instrumente für Gänsehaut- und Schockmomente nutzt Carpenter reichlich. Es gibt ein Cello, eine Kirchenorgel und Geisterchöre – nur die singende Säge fehlt. So entsteht eine Atmosphäre, die so kalt und menschenleer wirkt, dass einem wirklich die Haare zu Berge stehen können.

Der Auftakt Vortex zeigt bereits, wie geschickt Carpenter analoge und digitale Elemente verknüpft. Es gibt ein dominantes Klavier und krachige E-Gitarren, aber auch ein spannendes Wabern von Synthesizern und eine mächtig vorantreibende Bass Drum. Purgatory ist später der einzig weitere Song mit einem robusten Rhythmus, ansonsten geht es auf Lost Themes vor allem um die richtige Stimmung. Es sind Lieder, die eher ein Bild malen als dass sie eine Geschichte erzählen.

Manchmal muss man dabei an Mike Oldfield denken, Mystery klingt hingegen, als seien Blind Guardian zu Rittern aus Eis erstarrt. Obsidian, das die Gitarre erst in den Vordergrund rückt und sie dann mit den Keyboards kämpfen lässt, dürfe auch Jeff Beck gefallen. Wenn Kraftwerk eine Autobahn besungen hätten, auf der es nur tödliche Unfälle gibt, deren entstellte Opfer noch immer die Fahrbahn säumen oder einen Totentanz auf dem Grünstreifen aufführen, dann wäre vielleicht so etwas wie Fallen dabei heraus gekommen.

„Sowohl Klassik, als auch Rock’N’Roll stellen einen Teil meiner musikalischen Sprache dar, die auch sehr Riff-beeinflusst ist“, beschreibt Carpenter seine Einflüsse. „Wenn man also aufmerksam zuhört, so wird man einige Echos meiner Vergangenheit hören und erkennen. Da bin ich mir sicher.“

Domain wird auf spukige Weise eingängig (vor allem dank des geschickten Spiels mit Wiederholungen, das Carpenter auf Lost Themes immer wieder zelebriert). Wraith ist einer von vielen Songs, in denen man in jedem Moment damit rechnet, Vincent Price würde gleich einen Monolog à la „Darkness falls across the land“ beginnen. Zu einem Lied wie Abyss könnte wohl sogar der Terminator weinen. Und der Schlusspunkt Night zeigt, dass der Sound von John Carpenter eine Menge Gefühle kennt, aber eins sicher nicht: Hoffnung.

Ein Fan hat die beste Musik von John Carpenter gemischt.

 

Homepage von John Carpenter.

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