Hingehört: Kane Strang – „Two Hearts And No Brain“


Künstler Kane Strang

Two Hearts And No Brain Kane Strang Kritik Rezension

Auf seinem zweiten Album ist Kane Strang deutlich opulenter geworden.

Album Two Hearts And No Brain
Label Dead Oceans
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Don’t Follow Me (I’m Lost), heißt die Warnung im vorletzten Stück von Two Hearts And No Brain. Kane Strang hätte zum Erscheinen seines zweiten Albums eigentlich gar keinen Anlass, so pessimistisch zu sein: Erstens läuft es für den Neuseeländer bisher bestens. Zweitens hat er erneut eine großartige Platte gemacht.

Nach seinen ersten Gehversuchen in der Heimat (schon dort pries ihn The Revue als „the next Stephen Malkmus“) zog es Kane Strang nach Deutschland, um sich musikalisch und persönlich weiterzuentwickeln. Hier nahm er auch sein Debüt Blue Cheese auf, das vor zwei Jahren erschien und die Kritik fast einhellig in Entzücken versetzte. „Strang has a gift for pulling diamonds from the rough“, hat beispielsweise Pitchfork erkannt.

Nun, mit neuem Label und zurückgekehrt ans andere Ende der Welt, legt Kane Strang mit Two Hearts And No Brain nach. Die Platte, aufgenommen im Chick’s Hotel Studio in seiner Heimatstadt Dunedin mit Produzent Stephen Marr, ist opulenter als der Vorgänger, zum Instrumentarium gehören Synthesizer ebenso wie eine Slidegitarre. In manchen Momenten kann man sogar erkennen, dass zu den Vorbildern des Künstlers (neben Pavement und Brian Wilson) auch vergleichsweise harte und düstere Acts wie Interpol zählen, denn auch die Kraft des Repetitiven weiß er hier noch besser zu nutzen als zuvor.

Dazu kommen eine einnehmende Stimme, die etwa in See Thru an Damon Albarn denken lässt, ein feines Händchen für meisterhafte Arrangements wie im verspielten, niedlichen Silence Overgrown oder im ambitionierten Album-Schlusspunkt Good Guy und immer wieder himmlische Harmonies, die besonders reizvoll sind, wenn sie, wie in Summertime In Your Lounge, mit einem Bass konkurrieren, der so monoton ist, dass er beinahe deprimiert wirkt.

Dieser Widerstreit lässt sich auf Two Hearts And No Brain immer wieder erkennen. Der Auftakt Lagoons zeigt Kane Strang als unverkennbaren Slacker und gefällt sich darin, ihn zudem möglichst quirky zu präsentieren, trotzdem hat der Song eine gute Dynamik und einen formidablen Groove. Auch Not Quite ist so ein Beispiel: Obwohl Kane Strang im Text sein Unwohlsein beteuert, hat das Lied doch eine gewisse Leichtigkeit, etwa durch die digitalen Effekte und das vergleichsweise hohe Tempo. In Oh So You Are Off I See lässt sich ebenfalls eine Trägheit erkennen, gegen die er sich offensichtlich liebend gerne stemmen möchte, die ihm aber doch Natur zu sein scheint.

Eine Besonderheit, die sich schon auf Blue Cheese bestaunen ließ, sind zudem schlaue Zeilen und originelle Songtitel. Two Hearts And No Brain scheint sich im twangigen Titelsong als ein anatomischer Defekt zu erweisen, der bemitleidens- und doch auch beneidenswert klingt, begleitet von einer sehr cleveren Dramaturgie. In My Smile Is Extinct singt Kane Strang, er sei „sandwiched between heaven and hell“ – und das klingt so schön, dass man sich beinahe selbst in diese Position sehnt.

So unspektakulär wie My Heart Is Extinct kann ein Video sein: Kane Strang spielt Instrumente.

Website von Kane Strang.

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