Hingehört: L.A. – „King Of Beasts“


Künstler L.A.

King Of Beasts L.A. Kritik Rezension

„King Of Beasts“ ist ebenso harmlos wie blasiert.

Album King Of Beasts
Label Sony Music
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Wie stellt man sich eine Platte vor, die King Of Beasts heißt? Sicherlich monströs und selbstbewusst, vielleicht sogar aggressiv und provokant. Der Spanier Luis Albert Segura hat sein heute erscheinendes fünftes Album so genannt. Und es klingt wie das komplette Gegenteil: gestrig, stromlinienförmig, abgeschmackt.

Der Kontrast zwischen Verpackung und Inhalt scheint bei ihm System zu haben, denn großspurige Titel (das fängt beim Bandnamen an, auf den man erst mal kommen muss, wenn man aus Mallorca stammt), hinter denen dann fast nur heiße Luft steckt, gibt es reihenweise bei L.A.

Killing Me ist Soul aus der Retorte und wirkt, als hätte jemand den Auftrag gehabt, für die Pop-Akademie ein Lied zu schreiben als abschreckendes Beispiel für einen Song, der vollkommen frei von Inspiration ist. House Of The Wasted Truth könnte nicht einmal Chris Martin kitschfrei rüberbringen, so weinerlich und pubertär ist es. Zu einem Track wie The Keeper And The Rocket Man „Hausfrauenmusik“ zu sagen, wäre eine Beleidigung für den Musikgeschmack von Hausfrauen.

Natürlich passt zu dieser blasierten Attitüde, dass es auf dieser Platte gleich 17 Tracks gibt, darunter ein Intro (King Of Beasts #7 besteht vor allem aus viel Pomp und einem unentschlossenen Beat), ein Zwischenspiel (das elektronische Elephant Interlude…10 soll vielleicht Modernität demonstrieren, ist aber bloß überflüssig), eine Reprise (Suddenly gibt es noch einmal in einer Version, die in Streicher-Sirup ertränkt wird) und ein instrumentales, klassisch angehauchtes Outro (Adios Savannah).

Alle Stücke wurden von Luis Albert Segura geschrieben, gemeinsam mit seinem langjährigen Studiopartner Antonio Noguera hat er auch produziert und fast alle Instrumente selbst eingespielt. Das Ergebnis ist lediglich, dass offensichtlich jemand im Studio fehlte, der den beiden gesagt hat, wie scheiße das alles klingt.

In der Single Leave It All Behind singt Segura mit seiner penetranten Nickelback-Gedächtnis-Stimme so oft „I just want to leave it all behind“, dass man wirklich nicht mehr anders kann als ihm ein beherztes „Na, dann mach doch!“ entgegenzurufen. Where The Angels Go besingt ein Idyll der Zweisamkeit, mit „sun in the air“, Engeln und Phil-Collins-Computerdrums sowie der Zeile „You never forgot how to live“, die selbst von sehr viel begnadeteren Songwritern schwierig mit Sinn oder gar Poesie zu füllen gewesen wäre.

Stay überrascht zu Beginn mit einem heavy Riff, aber dann macht seine Fistelstimme alles zunichte, und die Produktion sorgt auch hier dafür, jeden Hauch von Gefahr zu beseitigen. Turn The Lights On wäre vielleicht herausgekommen, wenn Jamiroquai ein beschränkter Amerikaner und noch weniger geschmackssicher gewesen wäre; ein Song, der Lost & Gone heißt, braucht in der fantasielosen Welt von L.A. natürlich viel Hall auf der Stimme und ein trauriges Trompetensolo. Eine vermeitlich aufwühlende Zeile wie „You’ve got a fire in your eyes“ (aus, jawohl, Fire In Your Eyes) zeigt nur umso deutlicher, wie frei von Kraft, Leidenschaft, Überzeugung, Sex sowie Ecken und Kanten diese Platte ist.

„Ich habe keine Vorurteile mehr gegen Mainstream-Radios“, hat Segura aus Anlass der Veröffentlichung von King Of Beasts gesagt. Sollte er jemals welche gehabt haben (als wichtigen Einfluss benennt der Spanier unter anderem Pearl Jam), dann hat er sie sehr konsequent über Bord geworden, denn praktisch alle Songs sind so verlogen, kalkuliert und schwülstig, dass sie vielleicht sogar für das Formatradio zu harmlos sein könnten. Mit seinem Verzicht auf Identität sowie dem Vorgaukeln von Abwechslung und technischem Können klingt King Of Beasts so, wie man sich wahrscheinlich in der CSU moderne Rockmusik vorstellt.

Immerhin zweimal zeigt Segura, der schon mit Placebo, Arcade Fire, Muse und Franz Ferdinand auf Tour und zuletzt im Vorprogramm der Europatour von Band Of Horses zu sehen war, dass er zumindest ein wenig Geschick im Studio hat. Die Atmosphäre der Single Wind ist sehr stimmig, auch wenn der Text hier ebenfalls versucht, fehlenden Sinn als Lyrik zu verkaufen. Das ebenfalls recht hübsche Country-Arrangement von Suddenly könnte man sich von den Counting Crows vorstellen, wenn es ihm nur eine Minute lang gelingen würde, die darin beschworene Traurigkeit und Nostalgie glaubhaft klingen zu lassen.

Der Rest ist so großer Murks, dass im Vergleich dazu sogar die Musik besser wirkt, die deutsche Touristen normalerweise nach Mallorca einschleppen.

Auch das Video zu Leave It All Behind scheint mir nicht ganz frei von Selbstverliebtheit zu sein.

Wer unbedingt will, kann L.A. demnächst in Deutschland live erleben.

12.06.2017 – Hamburg (Häkken)

13.06.2017 – Dresden (Beatpol)

14.06.2017 – Berlin (Privatclub)

15.06.2017 – Köln (MTC)

Website von L.A.

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