Hingehört: Louka – „Flimmern“


Künstler Louka

Louka Flimmern Kritik Rezension

Vier Songs, jeweils in zwei Versionen, bietet die EP von Louka.

EP Flimmern
Label Four Music
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

„Manche sind umgeben von zu vielen Möglichkeiten / werden überwältigt von diesen unbekannten Weiten“, singt Louka in Wann Immer, dem ersten Lied auf dieser gerade erschienenen Debüt-EP. Es ist ein Problem, das ihr offensichtlich fremd ist: Die Lieder der Wahl-Berlinerin leben davon, dass sie sehr treff- und stilsicher die richtigen musikalischen Mittel wählt, vor allem dank ihrer einnehmenden Stimme schnell eine eigene Identität entwickelt und offensichtlich sehr genau weiß, was sie will.

Der Song beschwört Einheit, Harmonie und Zusammenhalt, und auch bei ihren Texten setzt Louka nicht (nur) auf spontane Intuition, sondern auf akribische Konstruktion. „Ich trage immer ein Notizbuch mit mir herum, um Zeilen aufzuschreiben, die mir begegnen — in der U-Bahn, auf einem Plakat, in der Zeitung, ein Fundstück beim Aufschnappen von Gesprächsfetzen“ erzählt Louka, die seit zwei Jahren im Wedding lebt. „Aus diesen Zeilen collagiere ich meine Songs. Zuhause habe ich ein ganzes Bücherbord voll mit diesen Notizbüchern, die alle dieselbe Farbe und dasselbe Format haben. Das ist mein Textschatz, mein Steinbruch der Ideen und Sätze, aus dem ich schöpfe.“

Einem Lied wie Outro, in dem man eine Geistesverwandtschaft beispielsweise zu Mine unterstellen könnte, hört man das auf die beste denkbare Weise an: Der Song bietet zwischendurch nicht nur einen spannenden Sprechgesang, sondern vor allem eine traumwandlerische Balance aus viel Gefühl, aber auch viel Reflexion. Immer wieder zeigt sich dieses Vertrauen auf die Stärke der Songs, die vor allem eine emotionale ist.

„Ich gehe oft ins Theater, lese viel, gehe auch ins Kino — aber ich extrahiere aus all diesen popkulturellen Momenten meine ganz eigenen Texte, die mit unserer ganz sparsamen, in ausgewählten Momenten freilich schier explodierenden Musik zusammengehen“, erklärt Louka ihre Methode.

Vieles auf dieser EP gefällt, weil es gar nicht zwingend und packend sein will. Ein doppelter Boden oder eine Facette, die sich nicht unmittelbar zeigt – genau das ist bei Louka angestrebt. Etwa im sehr eleganten Steine werfen, in dem etwas Wehmut wie manchmal bei Wir sind Helden und reichlich Stolz stecken. Dass die EP vier Tracks bietet, die es dann alle noch einmal in akustischen Versionen gibt, ohne dass sich die Atmosphäre durch die neue Instrumentierung großartig ändern würde, spricht nicht nur für die Stärke von Loukas Stimme, sondern auch für die der Kompositionen.

Ausgerechnet der Titelsong ist allerdings ein Schwachpunkt: Flimmern verbreitet einen Hauch von Kunstkacke (Louka hat früher in Zürich Musik fürs Theater gemacht), wird aber immerhin eingängig genug, um das nicht allzu schlimm werden zu lassen. Insgesamt gelingt eine beeindruckende EP, die modern und abwechslungsreich ist, ohne dafür plakativ werden zu müssen.

Viele Facetten zeigt auch das Video zu Flimmern.

Demnächst gibt es Louka live zu sehen:

27.03.17 Köln – Yuca
28.03.17 München – Kranhalle
29.03.17 Berlin – Grüner Salon
30.03.17 Hamburg – Kleiner Donner
22.04.17   Stade – Hanse Song Festival

Louka bei Facebook.

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