LVL UP – „Return To Love“


Künstler LVL UP

Return To Love LVL UP Kritik Rezension

„Return To Love“ ist das erste Album von LVL UP für Sub Pop.

Album Return To Love
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Gleich sechs Gastmusiker sind im Booklet von Return To Love aufgeführt, dem dritten Album von LVL UP. Einer davon ist Produzent Mike Ditrio, über den der Bassist der Band sagt: „He played a huge role in developing the sound, without butting in too much. He also navigated our personal dynamic really niceley.“ Es ist dieser Wille zum Miteinander, zur gemeinsamen Kreativität, der die Platte prägt und bei der Band aus New York auch insgesamt eine zentrale Rolle spielt.

Ein Musikzimmer an der Uni war der Nukleus für diese Band. Mike Cardi (Gitarre), Dave Benton (Gitarre), Nick Corbo (Bass) und Greg Rutkin (Drums) schwärmen noch heute davon, wie wunderbar die Gelegenheit war, dort zueinander zu finden, Ideen auszuarbeiten und beeinflusst von Vorbildern wie Neutral Milk Hotel oder Mount Eerie in aller Ruhe genug Eigenständigkeit und Können zu entwickeln, um sich schließlich in die Welt wagen zu können. Zum Teamwork-Gedanken, der in dieser Entstehungsgeschichte deutlich wird, passt auch die Tatsache, dass es bei LVL UP quasi drei Frontmänner gibt: Alle außer dem Schlagzeuger singen und schreiben Songs.

Man hört den zehn Tracks auf Return To Love diese Mentalität auf denkbar angenehme Weise an. Der Auftakt Hidden Driver beweist viel Spaß am Schrammeln, auch dann noch, als das Schlagzeug und der Bass eingesetzt haben und das Stück deutlich muskulöser klingen lassen, auch dann noch, als man gegen Ende merkt, wie catchy diese Orgel und wie hymnisch dieser Sound ist. Five Men On The Ridge ist ein bisschen entspannt, eine Spur wehmütig und sehr cool. Pain schafft es, gleichzeitig niedlich und angriffslustig und einnehmend zu sein. Cut From The Vine klingt wie einer der untröstlichen Moment von Rivers Cuomo, genauso putzig, schräg, selbstverliebt, rührend und träumend von der verlorenen Unschuld.

Lo Fi ist bei LVL UP, die genannten Referenzen lassen das erahnen, selbstverständlich das Prinzip, das reduziert aber keineswegs die Vielseitigkeit und Power von Return To Love. Zugleich geht der Umstand, dass es hier gleich drei Sänger gibt, auch keineswegs auf Kosten des Wiedererkennungseffekts, das Album hat vielmehr einen sehr konzentrierten, markanten Sound. Blur klingt wie eine leicht psychedelische Variante von Dinosaur Jr., in The Closing Door lenkt die Kopfstimme ein bisschen davon ab, wie heavy dieser Song in Wirklichkeit ist – ein Effekt, den man auch von den Smashing Pumpkins kennt. Am Anfang von She Sustains Us verliest eine alte Dame die Glückwünsche, die sie zur Goldenen Hochzeit erhalten hat, aber danach klingt nichts in diesem Lied nach dem Glauben an die Beständigkeit der Liebe, trotz des reizvollen Zusammenspiels mit der Stimme von Susannah Cutler (noch ein Gast).

Spirit Was beweist, wie gut die Idee von „Lasst uns alle Slacker sein!“ noch immer funktionieren kann. Im Album-Abschluss Naked In The River With The Creator gibt es zunächst nur Orgel, Gesang und Effekte, was für einen fast sphärischen Eindruck sorgt. Dass dann nach drei Minuten doch noch Bass und Drums dazu kommen, hat man fast erwartet – aber nicht die Urgewalt, mit der sie das tun, ebenso wenig die Tatsache, dass sich daraus ein siebenminütiges Space-Rock-Opus entwickelt. Der Höhepunkt von Return To Love hat allerdings nur einen Buchstaben: I geht mächtig nach vorne und zeigt das melodiöse Potenzial von LVL Up. Würden sie sich hier ein bisschen Politur erlauben, statt ihre Lust auf Feedback auszuleben, könnte das tatsächlich ein Radiohit sein.

Von wegen entspannt: LVL UP spielen Five Men On The Ridge live.

LVL UP bei Bandcamp.

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