Hingehört: Night Beats – „Who Sold My Generation“


Künstler Night Beats

Night Beats Who Sold My Generation Kritik Rezension

Altmodisch: Auf Tonband wurde das dritte Album von Night Beats aufgenommen.

Album Who Sold My Generation
Label Heavenly
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Es gibt Gitarrensoli auf dem dritten Album von Night Beats, ebenso wie Bongos, wilde Drums, Bläser, Klavier und Mundharmonika. Aber das wichtigste Instrument auf Who Sold My Generation, sogar das Instrument, ohne das dieses US-Trio gar nicht existieren könnte, ist dennoch ein anderes: der Verstärker. Danny Lee Blackwell (Gitarre/Gesang), Jakob Bowden (Bass) und James Traeger (Schlagzeug) feiern hier das Feedback und den Garagenlärm.

Passend zu dieser herrlich altmodischen Attitüde grüßen sie auf dem Cover von Who Sold My Generation aus einem ziemlich heruntergekommenen Coupé. Auch die Technik ist gewollt gestrig: Ihre ersten beiden Alben Night Beats (2011) und Sonic Bloom (2013) sind noch auf Kassette erschienen, diesmal wird es zumindest ein wenig avancierter, die Platte wurde nämlich auf Tonband aufgenommen, worauf auch ein Sample am Beginn des düsteren und vagen Openers Celebration verweist.

Freilich ist es nicht nur das Speichermedium, das auf die Sixties verweist. Bad Love klingt wie ein verlorener Klassiker aus eben diesem Jahrzehnt, Born To Breathe hätte gut zu den Doors gepasst. In Power Child lassen Iron Butterfly und andere Heavy-Pioniere grüßen. Right/Wrong klingt, als hätten die Easybeats den Soundtrack zu einem Edgar-Wallace-Film vorgelegt.

Night Beats sind stolz auf diese Tradition (sie haben ihren Bandnamen dem gleichnamigen Album von Sam Cooke entliehen) und benennen unter anderem The Red Krayola und The Elevators als wichtige Einflüsse. “The Elevators were one of the reasons I decided to become a singer and form the group,” sagt Sänger Danny Lee Blackwell. “I loved their attempt to play R‘n’B music, but from a distinctly Texan approach. I’d say they have profoundly influenced the group, but it’s now our job to take it to another level in a new age.”

Das ist der wichtigste Effekt von Who Sold My Generation: Man muss nicht altmodisch sein, um diese Platte zu lieben. Die Aufnahmetechnik führt zwar dazu, dass auf dem Weg von den Instrumenten der Band bis zu den Lautsprechern der Hörer manchmal ein wenig Dynamik verloren geht. Aber was für Songs sind das! No Cops ist ein Kracher, Sunday Mourning hätte der Black Rebel Motorcycle Club (deren Robert Levon Been hat bei einigen Liedern auf dieser Platte den Bass beigesteuert und war außerdem Co-Produzent) auch nicht besser hinbekommen. Porque Manana deutet an, dass der Stoner Rock vielleicht in einer Wüste in Mexiko erfunden wurde. Turn The Lights zeigt, wie reizvoll es sein könnte, wenn The Hives mal ein wenig durchschnaufen wollten.

Als „a record in the great Texan musical tradition of acid-drenched outlaw music“ preist die Plattenfirma von Night Beats dieses Album an, und das ist nicht zu viel versprochen. Gegen Ende wartet das Trio noch mit zwei Höhepunkten auf. Last Train To Jordan klingt mit seinem aggressiven Riff und ebenso wütenden Drums, als würden die Kinks You Really Got Me auf den falschen Betäubungsmitteln spielen. Und Egypt Berry, das beste Lied auf dieser Platte, klingt wie Last Train To Clarksville von den Monkees auf richtig guten Betäubungsmitteln.

Diese Fähigkeit, Vorbilder und Klassiker zu untergraben, durchzuschütteln oder auch mal mit einer Ladung aus der Schrotflinte zu durchsieben, macht Night Beats aus. Und noch eine wunderbare, fast vergessene Qualität hat Who Sold My Generation: Es ist eindeutig als ein Manifest gedacht.

Wer einen Donut hat, braucht keine Uniform, zeigt das Video zu No Cops.

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