Hingehört: No Age – „An Object“


"An Object" ist eher eine Installation als eine Album.

„An Object“ ist eher eine Installation als eine Album.

Künstler No Age
Album An Object
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Heute Abend spielen No Age im UT Connewitz in Leipzig, und man muss eigentlich von dieser Veranstaltung abraten. Damit ist nicht gemeint, dass Dean Spunt (Schlagzeug/Gesang) und Randy Randall (Gitarre) nicht ein furioses Noise-Rock-Erlebnis aufs Parkett legen könnten. Auch nicht, dass man von dem Duo, das Los Angeles Weekly jüngst gepriesen hat als „L.A.’s best rock band of the last half-decade“ eine Enttäuschung befürchten müsste oder dass No Age, 2005 gegründet, dann eine zentrale Größe der Szene rund um das legendäre The Smell, mittlerweile beim vierten Album angekommen, im Laufe der Zeit lahm und langweilig geworden wären.

Aber dieses vierte Album, An Object, ist eine ganz besondere Platte. Es ist ein, man muss wohl dieses Wort gebrauchen: Gesamtkunstwerk. No Age setzen auf irre, zum Teil selbst gebaute Instrumente, auf viele Effekte und auf ein Artwork, das sie zusammen mit dem befreundeten Designer Brian Roettinger entwickelt haben. Das Konzept: Spunt und Randall haben alles an dieser Platte selbst gemacht. Das meint nicht nur die Kompositionen und die Aufnahmen in ihrer Heimatstadt L.A. Sie haben auch das Artwork entwickelt, die Satzformen dafür hergestellt, die Hüllen selbst gedruckt, die Matritzen eigenhändig ins Presswerk geschleppt und danach 10.000 Exemplare einzeln verpackt. “We wanted to go through that process, feel everything in our hands, and see if it changed listeners‘ perception if they understood that we actually made this,“ erklärt Dean Spunt die Idee dahinter, von der sich auch der Albumtitel ableitet: “I was trying to understand the point of making records when they’re essentially useless. When we can download music so easily, they’re really just to hold and look at. To me, that’s the idea of an art object.”

Die Arbeit des Geistes (die Komposition), die Arbeit als Ausführender (die Aufnahme), die Arbeit als Verbreiter und Bewahrer (die Herstellung der Platte), all das verschmilzt hier in einem Konzept, reduziert auf nur zwei Personen, die am Ende für wirklich alles stehen, was An Object ausmacht. Jedes gespielte Instrument, jeder einzelne dabei eingesetzte Verstärker wird im Booklet aufgezählt, der Herstellungsprozess wird untrennbar mit dem Ergebnis verknüpft. An Object ist in dieser Hinsicht eher eine Installation als ein Album.

Dass es hier um Kunst geht, hört man auch den Songs an. Es sind nach wie vor nur zwei Musiker am Werk, und der Effekt, der bei oberflächlicher Betrachtung erzeugt wird, heißt Punkrock. Doch dahinter lagern reichlich Schichten, Ideen, Volten. Das können die Texte sein („I am the patient spider in the web“, aus dem Opener No Ground ist ein Beispiel dafür), die Instrumentierung (An Impression wartet nach knapp der Hälfte des Albums mit einem Cello auf) oder kaum zu entwirrende Verschachtelungen wie in Running From A-Go-Go.

Defector/Ed klingt, als hätte ein Virus die Velvet Underground befallen, A Ceiling Dreams Of A Floor hat eine wunderbar gestörte Nirvana-Melancholie, Stücke wie Circling With Dizzy können bei allem Versteckspiel nicht verbergen, dass sie im Kern echte Kracher sind. Und das wunderbar betitelte C’mon, Stimmung ist eine Achterbahnfahrt – und definitiv alleine schon den Besuch eines No-Age-Konzerts wert.

C’mon, Stimmung – besser kann man es nicht ausdrücken:

Homepage von No Age.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.