Hingehört: Paul Smith – „Contradictions“


Künstler Paul Smith

Cover des Albums Contradictions von Paul Smith Kritik Rezension

Eine große Entspanntheit prägt das zweite Soloalbum von Paul Smith.

Album Contradictions
Label Billingham Records
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Wie das mit den Contradictions wohl gemeint ist? Im Widerspruch zum Schaffen seiner Band Maxïmo Park steht die zweite Solo-Platte von Paul Smith jedenfalls deutlich weniger als sein erstes Werk in Eigenregie. Als vor fünf Jahren Margins erschien, war die Platte mit ihrer intimen Perspektive und dem oft akustischen Sound ein deutlich größerer Bruch. Auf Contradictions hingegen gibt es etliche Lieder wie beispielsweise Reintroducing The Red Kite mit seinem vergleichsweise muskulösen Refrain, die man sich durchaus auch im Oeuvre von Maximo Park vorstellen könnte – die Fans wird das wahrscheinlich freuen.

Der 36-Jährige selbst, der vier Jahre lang an Contradictions gearbeitet und als Gäste etwa Wendy Smith (Prefab Sprout), Rachel Lancaster (Silver Fox) und Peter Brewis (Field Music) gewonnen hat, vertritt denn auch gar nicht den Anspruch, mit seinem zweiten Soloalbum etwas Revolutionäres vorzulegen: ”I only ever want to release music that I feel adds something new to the world, however small”, sagt Paul Smith, “and I’m confident that Contradictions is an alternative pop record that fulfils my own criteria.”

In diesem Zitat steckt viel Wichtiges im Hinblick auf Wohl und Wehe des Albums. Alles ist mindestens okay, vieles verströmt eine sehr angenehme Gelassenheit. Fill In The Blanks etwa zeigt Paul Smiths Fähigkeiten als Texter, indem es eine Liebesbeziehung behandelt, die sich vielleicht gerade ihres eigenen Verfalls bewusst wird. People On Sunday (mit der deutschen Zeile „Menschen am Sonntag“) liefert etliche Hinweise darauf, wie Crowded House heute vielleicht klingen würden, wenn sie noch Powerpop machen würden. I Should Never Know verbreitet ein wunderbares Smiths-Feeling und wird gerade deshalb so einnehmend, weil es sich kein bisschen aufdrängt. Am schönsten in Quick ist bezeichnenderweise die Instrumentalpassage, weil sie zu einem treffenden Beispiel für die Innigkeit, Nostalgie, Wärme und Musikalität wird, die zu wichtigen Bausteinen dieses Albums zählen.

Aber unzweifelhaft hätten etwas mehr Dynamik und Abwechslung der Platte gut getan. Vor allem wäre das wünschenswert gewesen, weil Paul Smith eindeutig die passenden Mitstreiter dafür hat. In All The Things You’d Like To Be beeindruckt das Schlagzeug von Andrew Hodson (Warm Digits). Coney Island (4th of July) wird dank des wunderbar melodiösen Bassspiels von Claire Adams sehr funky, die ihn ebenso wie Hodson auch schon auf Tour begleitet hat. “Coney Island is a terribly romantic place”, sagt Paul Smith über dieses Lied, zu dem er inspiriert wurde, als er Fotos des Vergnügungsparks aus dem Jahr 1958 fand und dann mehr und mehr dazu recherchierte. „The idea of glamour and squalor sitting alongside each other appealed to me and I tried to create something equally uplifting and wistful.”

Before The Perspiration Falls mit seiner durchs Klavier erzeugten Dringlichkeit oder Break Me Down mit seiner interessanten Gitarrenarbeit sind Momente, in denen der Spannungsbogen gespannt wird. Auch der subtile Drive im Auftaktsong The Deep End (der mit der Zeile „All my dreams are contradictions“ auch den Verweis auf den Albumtitel enhält) ist so ein Faktor. Aber zu viele Songs lassen diese Entschlossenheit vermissen. So wird Contradictions ein angenehmes Album, das leider weder echte Balladen (wie sie Margins zu bieten hatte) noch richtige Kracher (wie sie Maximo Park nach wie vor draufhaben) enthält.

Paul Smith spielt Break Me Down live in Newcastle.

Homepage von Paul Smith.

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