Hingehört: Promise & The Monster – „Feed The Fire“


Künstler Promise & The Monster

Promise & The Monster Feed The Fire Kritik Rezension

Die Natur ist ein wichtiges Thema auf „Feed The Fire“.

Album Feed The Fire
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Eine Erhu ist im zweiten Lied dieses Albums zu hören. “It’s a great instrument”, sagt Billie Lindahl über diese Röhrenspießlaute, die seit etwa 1000 Jahren in der chinesischen Musik eingesetzt wird. “It sounds a bit like somebody is weeping, and I think we managed to make it weep.” Sie macht daraus ein Lied namens Hunter, das ein großes Schwelgen wird. Es klingt sehr klassisch, und doch scheint es bisher kein Zeitalter gegeben zu haben, in das diese Musik hineingepasst hätte.

Das ist typisch für Feed The Fire, das dritte Album von Promise & The Monster. Hinter dem Namen steckt die Schwedin Billie Lindahl, die gemeinsam mit Produzent Love Martinsen fast alles an dieser in zwei Wochen bei uns erscheinenden Platte gemacht hat. “We aimed at combining the elegance of old Sixties recordings with something darker and more mechanical”, erzählt sie über die ursprüngliche Idee für die Platte. “Like you would play a Lee Hazlewood song on top of Nico’s late Eighties records.”

Das Ergebnis kann manchmal ungeduldig wirken (Time Of The Season), manchmal entrückt (Slow And Quiet). Zu den ungewöhnlichen Instrumenten zählen neben der Erhu auch ein Dudelsack (Apartments Song) und eine Mariachi-Trompete (Machines). Vieles lässt an Filmmusik denken, prototypisch für den Sound von Promise & The Monster ist der Titelsong: Feed The Fire ist verwunschen und doch dramatisch, opulent und doch innig.

Der Albumtitel soll genau diese Ambivalenz zum Ausdruck bringen, sagt Billie Lindahl: “To feed the fire can be seen as both constructive and destructive. You keep the fire burning, the spark alive. But fire can kill you“, sagt sie. „Like life and death, it’s not really a contradiction. I think it’s necessary to be open to destructive forces if you want to live a life where strong emotions are present. To see, listen and feel is quite a violent and confusing experience, and I think my lyrics often evolve around that, blurring boundaries between dream and reality, and between sanity and insanity. To me, Feed The Fire is a concept album that explores those kinds of themes, from certain places and real happenings.”

Während Julingvallen so ätherisch wird, dass es fast als Soundtrack zu einer Wellness-Massage dienen könnte, dominiert in vielen anderen Momenten die düstere Seite, die Bedrohlichkeit. Das gilt für den Schlusspunkt Fine Horseman, einen traditionellen britischen Folksong, der hier brodelnd und unheimlich vorgetragen wird. Auch für The Weight Of It All, in der Lindahl anscheinend zur Schamanin wird, oder für Hammering The Nails, in dem es beinahe wie ein Schock wirkt, wenn plötzlich konventionelle Instrumente wie eine E-Gitarre und ein beinahe üblicher Schlagzeug-Beat eingesetzt werden.

“All the songs are, in a way, tales of violence” erklärt Lindahl. “When I started to write the lyrics, I wrote about killings, where I imagined being inside the killer’s head. At the same time my own life started to collapse, starting with a break-up, and it took some bad turns. For a couple of years I lived a desperate life amongst the ruins of my old life. The landscape in the lyrics is an imaginary one, an apocalyptical landscape, but it resembles those ruins.”

Vielleicht liegt es an diesem Zusammenbruch der Welt, dass die Natur in Feed The Fire eine so große Rolle spielt: Die Gezeiten, der Stolz der Tiere oder der Wandel der Jahreszeiten prägen die Texte. Das hat einen Effekt, der wunderbar zur mystischen Stimme Lindahls passt: Oft klingen die Songs von Promise & The Monster, als seien sie gespeist, vielleicht sogar getrieben von höheren Mächten.

Der Albumtrailer zu Feed The Fire.

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