SDP – „Zurück in die Zukunst“


Künstler SDP

Cover des Albums "Zurück in die Zukunst" von SDP

Vielfalt: ja. Geschmack: nein. Das ist das Fazit zu „Zurück in die Zukunst“.

Album Zurück in die Zukunst
Label Berliner Plattenbau
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Ein sehr cooles Intro ist das. Schauspieler Manfred Lehmann (a.k.a. die deutsche Stimme von Bruce Willis) erzählt darin zu bedrohlichen Orchesterklängen vom nahenden Ende des Universums. Er präsentiert aber auch einen Hoffnungsträger: Musik. Er verspricht für die folgenden 62 Minuten klangliche Vielfalt und den ultimativen Sieg im Kampf zwischen gutem und schlechtem Geschmack.

Leider erfüllen SDP auf ihrem siebten Album dann aber nur eines dieser Versprechen. Die Band aus Berlin (SDP steht für StoneDeafProduction) packt in Zurück in die Zukunst reichlich Spaßpunk (Die Wahrheit in schön) und Partykracher (Klopf Klopf vereint etwas Dancehall mit Gitarren und Cro-Ausgelassenheit), aber auch chillige Sounds (Kurz für immer bleiben), Reggae (Ganze Galaxien) und mit Vincent und Dag Forever! einen halbwegs witzigen gegenseitigen Diss.

Genug Vielfalt gibt es also in jedem Fall von Vincent Stein (der auch als Produzent etwa für Ich + Ich oder Prinz Pi tätig ist) und Dag-Alexis Kopplin, die seit ihren gemeinsamen Schultagen als SDP aktiv sind und sich seit der Bandgründung 1999 zu einem veritablen Phänomen entwickelt haben. Weitgehend übers Internet und unterstützt durch reichlich Tourneen haben sie den Status als Die bekannteste unbekannte Band der Welt (so hieß eines ihrer Alben) längst abgelegt. Zurück in die Zukunst erreichte Platz 2 der deutschen Charts, auch der Vorgänger Bunte Rapublik Deutschpunk war schon in den Top 5.

Wie sie das geschafft haben, zeigt diese Platte sehr schnell. SDP haben erkannt: Alles, was gut funktioniert, kann man noch ein bisschen plumper, dümmer, billiger und schlechter machen und trotzdem damit erfolgreich sein. Sie liefern den Sound, den man meinetwegen von Kraftklub, Den Ärzten oder Deichkind kennt, aber auf RTL2-Niveau. SDP verhalten sich zu diesen Vorbildern wie Berlin – Tag & Nacht zu Citizen Kane.

Wenn man die deutsche Sprache nicht versteht, kann das manchmal vielleicht sogar noch Spaß machen. Ich will noch nicht nach Haus! (feat. Trailerpark) ist höchst effektiv, mit einem simplen Gitarrenriff und einem Refrain mit all der Brachialität (aber nicht der Eingängigkeit) von Blink 182. Deine Freundin wird etliche Kirmeszelte und Faschingsfeiern erfreuen und strebt wohl das Attribut „Gassenhauer“ wie etwa Zehn kleine Jägermeister an, allerdings mit noch weniger Niveau.

Die meisten Songs sind aber in jeder Hinsicht unerträglich. Gewalt ist eine schlechte Version dessen, was Die Ärzte mit dem Schunder-Song gemacht haben – ebenfalls mit Bläsern, aber (im Gegensatz zum Vorbild) mit der sehr dummen Botschaft, Gewalt könne tatsächlich eine Lösung sein. Hat man den Liebeskummer-Song Ich will nur dass du weißt gehört, weiß man: Nickelback wären noch unerträglicher, wenn sie auf Deutsch singen würden. In F.I.C.K.D.I.C.H. (feat. Frauenarzt) sagen Songtitel und Gaststar schon alles.

Der Text von Keine Ahnung warum will das Unkonventionelle preisen, merkt aber nicht, dass er – ausgerechnet zu einem brachialen Sound à la H-Blockx – bloß das Rumgammeln propagiert. „Voll krass, Dicker, Frauen ticken ganz anders!“, lautet die äußerst überraschende Erkenntnis von Männer und Frauen – selbst die dümmste Deutschpunkband hätte nach 80 Bier nicht so einen geistigen Dünnschiss abgeliefert.

CYB3R CR!M3 ist so lächerlich, peinlich und pseudo-modern, dass man glauben muss, Howard Carpendale wolle auf den Heino-Zug aufspringen, nach dem Motto: Wenn der Rock kann, dann kann ich auch Elektro. Und im hochgradig unlustigen und langweiligen Erstmal ein Selfie! (feat. Mad Maks) verarschen SDP genau die Generation, bei der sie sich vorher 14 Lieder lang angebiedert haben.

Was die Stimme von Bruce Willis wirklich hätte verkünden müssen, ist: Zurück in die Zukunst bietet schlechte Reime, primitive Musik und eine erbärmliche Geisteshaltung, die zeigt, für wie dumm SDP offensichtlich ihr Publikum halten. Nirgends gibt es einen Lebensinhalt außer Party, nirgends Verantwortung, nirgends Weitblick. Mit anderen Worten: nirgends ein Hirn.

Party ist überraschenderweise auch das Thema im Video zu Ich will noch nicht nach Haus!

Im November sollte man möglichst Konzerthallen meiden, denn SDP sind auf Tour.

03.11.2015 Dresden – Reithalle

04.11.2015 Wien – Szene

05.11.2015 München – Tonhalle

06.11.2015 Stuttgart – LKA

07.11.2015 Würzburg – Posthalle

08.11.2015 Saarbrücken – Garage

09.11.2015 Zürich – Plaza

11.11.2015 Frankfurt – Batschkapp

12.11.2015 Dortmund – FZW

13.11.2015 Hannover – Capitol

14.11.2015 Berlin – Columbiahalle

15.11.2015 Hamburg – Sporthalle

17.11.2015 Leipzig – Täubchenthal

18.11.2015 Köln – E-Werk

Homepage von SDP.

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