Hingehört: Star Wars Headspace


Künstler Diverse

Star Wars Headspace Kritik Rezension

Mit Sounds aus dem Film durften die Künstler spielen.

Album Star Wars Headspace
Label American Recordings
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Für Fans von Star Wars (ich zähle nicht dazu) muss dies eine sehnsüchtig erwartete Platte sein: Unter dem wachsamen Auge des legendären Produzenten Rick Rubin haben spannende aktuelle Acts ihre ganz besondere Interpretation der Science-Fiction-Saga umgesetzt. Mehr noch: Die beteiligten Künstler, von Flying Lotus über Röyksopp bin hin zu Rick Rubin selbst, hatten Zugriff auf sämtliche Tonspuren und Samples aus dem gesamten Bestand der Star Wars-Filme.

Was angesichts dieses Privilegs herausgekommen ist, werden Hardcore-Star-Warriors (sagt man so?) wahrscheinlich enttäuschend finden. Keiner der Musiker wagt einen wirklich radikalen oder gar visionären Ansatz, die Bezüge zu den Filmen sind lose, die Elemente aus der Sounddatenbank von George Lucas oft genug kaum hörbar. Für alle anderen ist Star Wars Headspace aber immerhin eine passable Compilation zeitgemäßer, meist elektronischer Quasi-Filmmusik.

Zwar nehmen fast alle Stücke in ihrem Songtitel mehr oder weniger direkt auf Star Wars Bezug, ansonsten könnte man die Tracks aber auch auf jedem halbwegs experimentellen Album des Jahres 2016 platzieren, ohne dass jemand unwillkürlich denken müsste: Holla, das erinnert mich aber schwer an Star Wars!

Am klarsten ist der klangliche Bezug noch in Sunset Over Manaan von ATTLAS, das bis auf ein paar Dialoge aus dem Film komplett instrumental bleibt. Würde ich mich mit Star Wars auskennen, könnte ich bestimmt die Herkunft des Geräuschs in Scruffy-Looking Nerfherder von Galantis benennen, das so gewaltig klingt (ein Elefant?). Würde ich mich mit elektronischer Musik auskennen, könnte ich bestimmt auch dieses Genre benennen (Trance?). Star Tripper von Breakbot klingt hingegen erst nach dieser anderen George-Lucas-Reihe, nämlich Indiana Jones, dann wie ein vergessener Eighties-Klassiker.

Der Rest ist klanglich deutlich weiter vom Star Wars-Universum entfernt: Was Bauuer mit Catina Boys abliefert, könnte man als HipHop ohne Rap begreifen. R2 Knows, der sehr coole und sehr tanzbare Beitrag von Claude von Stroke, wäre typisch Hot Chip (wenn es denn Hot Chip wäre). Rick Rubin zeigt mit dem zappeligen NR-G7, wie The Prodigy klingen könnten, wollten sie stimmungsvoll und abwechslungsreich sein. Sein zweiter Beitrag, Jabba Flow, ist originell, geschmackssicher und etwas verschroben.

Was man in Ghomrassen von Bonobo hört, scheint nicht so sehr ein Menschenaffe zu sein, sondern vielmehr ein wütendes Nashorn, umschwirrt von Vogelzwitschern. Flying Lotus zeigen sich auf R2 Where Are You gewohnt verspielt und komplex, Help Me! von GTA bekommt trotz seines ängstlichen Titels einen sehr kraftvollen, fast militärischen Charakter. Röyksopp erweitern den Star Wars Headspace um Bounty Hunters und klingen darin, als hätten sie ein paar Energy Drinks zu viel gehabt.

EWOK PUMPP von Rusty beginnt nahe am Wahnsinn und geht dann noch die entscheidenden zwei Schritte in diese Richtung. Shlomo steuert mit Druid Caravan Of Smoke das einzige Stück für diesen Beinahe-Soundtrack bei, das als Ballade durchgehen würde. Und der Sound von TroyBoi in Force klingt wie eine außerirdische Weiterentwicklung von HipHop – irgendwie passt das dann ja doch.

Auch im Video zu Bounty Hunters sind Röyksopp vergleichsweise energisch.

Website zum Projekt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.