Hingehört: Sun Of Moon – „Sun Of Moon“


Eine Hälfte Pop-, eine Hälfte Filmmusik: Das ist das Debüt von Sun Of Moon.

Eine Hälfte Pop-, eine Hälfte Filmmusik: Das ist das Debüt von Sun Of Moon.

Künstler Sun Of Moon
Album Sun Of Moon
Label Motor
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Ich weiß nicht viel über Marcel Blatti, den Mann, der hinter Sun Of Moon steckt. Was ich in Erfahrung bringen konnte: Er treibt in seiner Schweizer Heimat seit einiger Zeit als Lleluja-Ha sein Unwesen und ist seit einer Weile in Berlin zuhause. Auf der Bühne mag er es, sich in geheimnisvolle Kostümierung zu werfen, Soundtracks für Leander Haußman hat er auch schon gemacht, ebenso wie Theatermusik für bekannte Regisseure wie Falk Richter (Schaubühne Berlin) und Stefan Pucher (Münchner Kammerspiele). Was ich nicht weiß, aber stark vermute: Seine Eltern müssen sehr überzeugte Hippies sein, und sie haben ihrem Sohn offensichtlich ein Leben lang immer dieselbe Botschaft mit auf den Weg gegeben: Entfalte dich, Junge!

Denn was Blatti alias Lleluja-Ha alias Sun Of Moon auf seinem Debütalbum unter diesem Namen anstellt, ist im höchsten Maße erstaunlich. Künstler wie OY, Disco Doom, Pola und Feist sind zwar lose mit Sun Of Moon assoziiert, bis auf einige Bassläufe hat er dieses Album aber komplett allein eingespielt, auch die Bläser- und Streicherarrangements hat er übernommen.

Als wäre das noch nicht genug an künstlerischer Entfaltung, ist Sun Of Moon auch gleich noch ein Doppelalbum geworden. CD 1 enthält opulenten Pop, für den Get Well Soon eine gute Orientierung ist. CD 2 ist bis auf zwei Ausnahmen gänzlich Instrumental. „Von meinem Soloalbum wollte ich, dass es wirklich meine Musik repräsentiert und nicht nur einen Teil meiner Musik. Deshalb habe ich beides miteinander kombiniert: eine CD mit Popmusik und eine CD mit Filmmusik“, erklärt Lleluja-Ha.

Den Hippie-Verdacht bestätigt dabei auch die Musik. „And then a sun came up on the horizon“, heißt die erste Zeile des Albums, begleitet von esoterischen Sounds, einer etwas windschiefen Orgel, dezenten Percussions und einer Stimme, die an Neil Tennant erinnert. Auch Past And Present Friends könnte man mit den Pet Shop Boys verbinden, wenn bei denen irgendwann einmal das Instrumentarium überschnappen sollte. Die Melodie von Who Will Fix Our Broken Hearts erinnert stark an Game On von Catatonia, das bemerkt man aber nur, wenn man der Versuchung widerstehen kann, bei diesem Lied an ein Lagerfeuer zu denken, an dem eine Blaskapelle vorbeimarschiert.

Journey To The Sun (Hippies!, ich sag’s doch) beweist, dass es bei Sun Of Moon auch sehr hübschen, eleganten Pop gibt, My Arms Around The World Tonight bringt erfreulichen Schwung in die zweite Hälfte von CD1, das Finale von Ride That Horse ist sogar richtig wild. Aufhorchen lassen auch The Brightest Lights In The Darkest Nights, das wie eine Fortsetzung des Soundtracks zu Eyes Wide Shut klingt, und New Morning, in dem es neben viel Simon&Garfunkel-Seligkeit sogar bellende Hunde und zwitschernde Vögel gibt. Das Lied ist damit typisch für diese Platte: Alles auf Sun Of Moon ist interessant oder sogar schön, aber nur wenig ist wirklich essentiell.

CD 2 bietet mal ausgelassenen Jazz wie Symphony, mal Orchestersounds wie Hotel New York Part I oder wunderbare Lounge-Momente für den Sommer wie Wilma, in denen Lleluja-Ha mit dem Mund sogar Scratching-Sounds imitiert. „Großes Kopfkino“, hat die Basler Zeitung über Lleluja-Ha geschrieben, schon bevor er Sun Of Moon war. Besser kann man es nicht ausdrücken.

Das Video zu My Arms Around The World Tonight berichtet aus dem Leben einer Stuntfrau:

Homepage von Sun Of Moon.

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