Hingehört: Supreme Cuts – „Divine Ecstasy“


Neuerdings fast immer mit Gesang arbeiten Supreme Cuts auf "Divine Ecstasy".

Neuerdings fast immer mit Gesang arbeiten Supreme Cuts auf „Divine Ecstasy“.

Künstler Supreme Cuts
Album Divine Ecstasy
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Das ist doch mal ein Angebot. Das Miracle Spring Water verspricht Glück, Reichtum und Gottes Segen. Es kann Krankheiten heilen und sogar in einen Zustand heiligen Rausches versetzen, die sogenannte Divine Ecstasy. Und all das gibt es kostenlos, wenn man sich lediglich auf der Website von Peter Popoff registriert.

Das Problem dabei: Popoff ist ein überführter Schwindler. Zu seinen besten Zeiten als Fernsehprediger, Hellseher und Wunderheiler verdiente er Millionen, dann flog er 1986 auf. Jetzt versucht der 68-Jährige, sich im Netz wieder zu berappeln, und vertreibt dort unter anderem sein Wunderwasser, nach dem Supreme Cuts ihr drittes Album (nach einem komplett instrumentalen Werk und einer Platte gemeinsam mit Rap-Wunderkind Haleek Maul) benannt haben. Das ist nicht allzu verwunderlich: Auch Mike Perry und Austin Kjeultes, die beiden Produzenten hinter dem Duo aus Chicago, verstehen sich auf Blendwerk. Und ihr um allerlei Facetten angereicherter House-Sound kann in seinen besten Momenten durchaus in einen Rausch versetzen, heilig oder nicht.

Seit 2011 musizieren Perry und Kjeultes gemeinsam als Supreme Cuts. Ihre Einflüsse reichen nach eigenem Bekunden von neo-klassischen Komponisten wie Phillip Glass über Prince bis hin zu Sam Cooke und R. Kelly. Diese Vielfalt erklärt die Band so: „There are albums like Timbaland’s Shock Value, for instance, or The Neptunes’ Clones, which are completely diverse and there’s something for everyone. That’s what we wanted, to showcase our sound. We’re album guys, so we wanted to make it with all the hills and valleys, and to flow as one piece. It was about showcasing every style that we like but to have it still sound like us.“

Dieses Bekenntnis zur Bandbreite hört man Divine Ecstasy an. In der Introduction wird philosophiert, zum Abschluss gibt es im Epilogue einen recht satten Beat, ein Saxofon und eine computerisierte Stimme. Dazwischen verschmelzen House, Pop, R&B und innovative Elektronik zu einem faszinierenden Album.

Faded (feat. Py) klingt wie Massive Attack mit einer Spur zusätzlicher Ausgelassenheit, das sphärische Cocktails (mit der Stimme von Shy Girls) erinnert an The Weeknd, aber mit mehr Seele und musikalisch stimmiger. Die Französin Mahaut Mondino, die später auch auf Brown Flowers noch einmal zu hören ist, veredelt mit ihrem Gesang die Single Gone, die zugleich gelassen und brodelnd wirkt. Channy Leaneagh (Poliça) verleiht Envision eine subtile Spannung, der erst 16-jährige Haleek Maul macht Isis zu einem – trotz dezenten Beats und verträumter Backing Vocals – kraftvollen Höhepunkt. So ähnlich wie It’s Like That (feat. Yen Tech) könnten die Tracks im Café del Mar klingen, wenn sie sich nicht auf Chillout beschränken würden, sondern auch noch den Anspruch hätten, einen hintergründigen Thrill zu liefern.

Das Problem ist, dass man sich oft nicht des Eindrucks erwehren kann, diese Tracks würden als Instrumental vielleicht doch besser funktionieren. Selten sind Beats und Gesang wirklich stimmig verwoben, vor allem bieten die Gesangspassagen zu wenig melodiöse Spannung, sodass sie mitunter einfach bloß vom spannenden musikalischen Hintergrund ablenken.

Man kann nicht wirklich mitsingen, man kann nicht wirklich dazu tanzen und man kann sich auch nicht mehr – anders als beim Debüt Whispers In The Dark – wirklich auf den musikalischen Wagemut von Supreme Cuts konzentrieren. “These aren’t exactly pop or R&B songs: instead, they sound like remixed versions of nonexistent singles that were at one point accessible”, hat Pitchfork dieses Dilemma umschrieben. Seligmachend ist Divine Ecstasy also leider nicht immer – aber in jedem Fall ein besserer Deal als das Wässerchen von Pater Popoff.

Das Standbild-Video zu Gone:

Supreme Cuts bei Tumblr.

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