Hingehört: The Ramona Flowers – „Dismantle And Rebuild“


Künstler The Ramona Flowers

Das Debüt der Ramona Flowers scheitert am eigenen Kalkül.

Das Debüt der Ramona Flowers scheitert am eigenen Kalkül.

Album Dismantle And Rebuild
Label Distiller Records
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Viel mehr kann man wohl nicht richtig machen, um die Aufregung um das eigene Debütalbum zu steigern. The Ramona Flowers, ein Quintett aus Bristol, haben reichlich Vorab-Singles veröffentlicht, sie waren fleißig auf Tour, unter anderem mit Bastille, Bombay Bicycle Club und Foxes, und sie haben beispielsweise Everything Everything und Hot Chip für Remixes gewonnen. “Hugeness may be imminent”, lautet die Prognose des Guardian. Klingt nach einer Punktlandung.

Leider ist besagtes Debütalbum aber nicht gut geworden. Dismantle And Rebuild scheitert genau an dem, was zunächst noch so schön geholfen hat, um Aufmerksamkeit zu erregen: Kalkül. Die Platte versucht in jedem Moment, beeindruckend zu sein, scheint aber selbst nicht zu wissen, wen sie beeindrucken will und womit. Das ist technisch höchst ausgereift, klingt aber (nicht nur wegen der Falsett-Stimme von Sänger Steve Bird) die meiste Zeit über wie die nicht zufällig längst vergessenen Schweden von Eskobar, nur ohne gute Songs.

In Tokyo, einer der Vorab-Singles, die nun hier als Opener fungiert, ergreift Bird die Stimme eines Verführers, dazu gibt es reichlich Effekte auf der Gitarre und Rockmusik, die von einem Computerbeat unterlegt ist – all das lässt an U2 denken. Die klingen auch später immer wieder an, am deutlichsten in Vultures: Wenn man den Ramona Flowers wohlgesonnen ist, kann man das als eine weitere okaye U2-Nummer erkennen. Weniger gutmütig betrachtet klingt das Lied, als würde sich die Bloodhound Gang an einer Persiflage auf Interpol versuchen.

Der Titelsong hat Pathos im Überfluss zu bieten, in Modern World soll der herausgestellte Bass wahrscheinlich Aggressivität demonstrieren, aber das Lied hat keinen Biss. So Many Colours bleibt die Sorte von belanglosem Gesäusel, die wahrscheinlich nicht einmal mehr George Michael interessant findet. World Won’t Wait hat zunächst viel „Haha“ im Hintergrund, das dann nach einem pompösen Streicherteil in den Vordergrund rückt, bleibt aber ein Song ohne Identität und Herz. Zum Abschluss müht sich Gastsängerin Lou Rhodes in Like A Feather, dem Ganzen etwas Gravitas zu verleihen, scheitert aber.

Manchmal lassen die Ramona Flowers erkennen, dass sie durchaus Talent haben. Das beinahe akustische Lust And Lies lässt an Radiohead denken und wird zum besten Lied auf Dismantle And Rebuild, weil es nicht auf Teufel komm raus zeitgemäß klingen will, sondern sich damit begnügt, schön zu sein. Auch Friend Of The Madness lässt aufhorchen, mit einem interessanten Beat, der gleich noch angereichert wird um Streicher und eine Flamenco-Gitarre. Unterm Strich präsentieren die Ramona Flowers hier aber nichts, was einen Hype tragen könnte: Dismantle And Rebuild ist gleichzeitig schrecklich verkopft und erstaunlich unausgegoren – eine Platte, die immer wieder in ihrem eigenen Sound wegzudämmern droht.

Schicke Videos können sie auch, wie der Clip zu Tokyo beweist.

Homepage von The Ramona Flowers.

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