The Strumbellas – „Hope“


Künstler The Strumbellas

The Strumbellas Hope Albumkritik Rezension

Die Szene auf dem Albumcover ist von „Leben und sterben lassen“ inspiriert.

Album Hope
Label Universal
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Einen Sarg tragen die sechs Mitglieder der Strumbellas (okay: ihre von Joel Hustak gestalteten Cartoon-Entsprechungen) auf dem Cover von Hope, umgeben von Aliens, Ungeheuern und einer Zirkustruppe. Was sie da genau zu Grabe tragen, ist nicht überliefert. Ein guter Tipp wäre allerdings: das Restrisiko.

Denn die 2008 gegründete Band aus Kanada macht auf ihrem dritten Album wiederholt den Eindruck, als wollte sie mit ihrer Musik diesmal wirklich, wirklich, wirklich auf Nummer sicher gehen. Wie auf dem Vorgänger We Still Move On Dance Floors, der 2014 mit einem Juno-Award ausgezeichnet wurde, stehen die Strumbellas auch diesmal für einen Mix aus Country-Sozialisation und Radio-Tauglichkeit, den man beispielsweise auch von den Lumineers kennt. Aber gemeinsam mit Produzent Dave Schiffman (The Bronx, Anti-Flag) haben sie eine Platte gemacht, die ganz unverhohlen auf die nächsthöhere Karrierestufe hofft.

Die Single Spirits steht am Beginn des Albums und wechselt nach ein paar Takten von maximal unschuldig zu maximal pompös, mit Glocken und Chor. Das ist so eingängig, dass man es dem Lied fast zum Vorwurf machen will – und diesen Effekt findet man dann noch ein paar Mal auf Hope. Die Refrains klingen oft so groß, dass man sie für aufgeblasen halten muss, manches an den Lieder ist klischee- und formelhaft.

Wenn das richtig gut funktioniert, kommt ein Kracher wie Young & Wild dabei heraus, das beste Lied auf Hope. Es muss doch eine Schnittmenge aus Mumford & Sons und dem Two Door Cinema Club geben!, scheint sich da wohl jemand gedacht zu haben, um dann einen Sound zu finden, in dem man sich gar nicht anders als großartig fühlen kann. Wars wirkt beinahe, als hätten Savage Garden ein Lied von Frank Turner remixt. „I don’t sing well / but I’ve got a lot of heart“, meint Frontmann Simon Ward darin, und in der Tat hat er eine Stimme, die nicht von ihrer Potenz, sondern von ihrer Brüchigkeit lebt, aber auch damit beachtliche Kraft entfalten kann, wie auch We Don’t Know beweist.

In den schwächeren Momenten dieser Platte, die gestern digital erschienen ist und am 20. Mai auch als physischer Tonträger veröffentlicht wird, klingt das Sextett allerdings höchst gewöhnlich. In David ist nicht einmal der Versuch zu erkennen, etwas Originelles oder Einzigartiges zu erschaffen. Stattdessen begnügen sich die Strumbellas hier damit, die Erwartungshaltung und Genre-Traditionen zu bedienen. Wild Sun ist ein typisches Beispiel für die mauen Texte von Simon Ward, die bedeutend klingen wollen, aber wenig Poesie und noch weniger Tiefgang zu bieten haben. Dog und The Night Will Save Us bestätigen den Verdacht, dass man es hier manchmal mit eher mittelprächtigen Songs zu tun hat, die durch Produktion und Arrangement halbwegs geschickt aufpoliert werden.

Hope wäre ein besseres Album, würden sich The Strumbellas nicht auf solche Taschenspielertricks einlassen, um den Hörer mit maximaler Wahrscheinlichkeit zu beeindrucken, sondern sich etwas mehr Intimität erlauben. Das reduzierte The Hired Band, das beinahe in die Nähe von Ryan Adams rückt, gehört zu den Momenten, die das belegen. Und auch I Still Make Her Cry, in dem Simon Ward nur Gesang und Klavier für einen guten Song braucht. Fast will man ihm zurufen: Siehst du, es geht doch!

The Strumbellas spielen Spirits live in der Late Show.

Website der Strumbellas.

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