Hingehört: The Temper Trap – „Thick As Thieves“


Künstler The Temper Trap

Thick As Thieves The Temper Trap Kritik Rezension

Vier Jahre haben sich The Temper Trap für ihr drittes Album Zeit gelassen.

Album Thick As Thieves
Label Infectious
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

„Make or Break“ nennen sie das in England. Ein Album als Wegscheide, das entweder die Tür zum ganz großen Erfolg aufstößt oder den ersten Schritt in die Versenkung bedeutet. Dass ihr dritter Longplayer genau darüber entscheiden würde, war The Temper Trap womöglich klar. Und hat offensichtlich zur Schockstarre bei ihnen geführt.

Das Debüt im Jahr 2009 brachte etliche Hits hervor, der 2012 erschienene Nachfolger war etwas elektronischer und experimenteller. In ihrer australischen Heimat gab es zwar auch dafür Platin, auch im UK sprang eine Top20-Platzierung in den Charts heraus, aber insgesamt wurden weniger Exemplare abgesetzt. Die Zwischenbilanz für Dougy Mandagi (Gesang, Gitarre), Jonathon Aherne (Bass), Toby Dundas (Schlagzeug) und Joseph Greer (Keyboards) ist trotzdem beachtlich: Eine Million Tonträger haben The Temper Trap verkauft, zudem im Vorprogramm von Coldplay und den Rolling Stones gespielt.

Dann scheint allerdings, auch die vier Jahre Wartezeit auf Album #3 deutet darauf hin, das Fracksausen eingesetzt zu haben: Für Thick As Thieves kehren The Temper Trap erstens wieder zum eher von Gitarren geprägten Sound ihres ersten Albums zurück. Zweitens lassen sie sich erstmals von anderen Komponisten wie Justin Parker (Lana Del Rey, Sia, Bat For Lashes), Pascal Gabriel (Ladyhawke, Goldfrapp), Ben Allen (Animal Collective, Deerhunter) und Malay (Frank Ocean) unterstützen. Beides sind nicht gerade Anzeichen für eine Band, die sich kaum retten kann vor lauter eigenen Ideen. Die oberste Devise für dieses Album scheint gewesen zu sein: Bloß nichts verkehrt machen! Bloß nicht das zarte Pflänzchen zertrampeln, aus dem vielleicht noch eine richtig lange Karriere werden kann!

Das ist das Kernproblem von Thick As Thieves: Die Platte wirkt kalkuliert und zahm. Der mit Pascal Gabriel geschriebene Titelsong steht am Beginn, die ersten Takte von Thick As Thieves könnten Bon Jovi sein, dann setzt diese seltsam hohe, seltsam gestaltlose Stimme von Dougy Mandagi ein, schließlich folgt ein Refrain voller Pathos. Diese verwirrende Kombination aus viel Effekt, aber wenig Wirkung stellt sich auch danach immer wieder ein. Burn beispielsweise hat viele Elemente, die ihre Wirksamkeit für andere Bands bewiesen haben, aber dem Song fehlt die besondere Melodie und vor allem ein gutes Stück Dynamik.

Nur ganz selten überzeugen The Temper Trap diesmal wirklich. Alive, das man in den ersten Momenten für Are You Gonna Be My Girl von ihren australischen Landsleuten Jet halten könnte, hat zumindest etwas Punch. Tombstone ist als neuntes von elf (beziehungsweise 14, wenn man die drei Bonustracks mitrechnet) Liedern endlich eines, das dringend, leidenschaftlich und rund klingt, wie eine Herbstausgabe der Shout Out Louds.

Viel öfter sind die Lieder ein halbgares Sowohl-als-Auch: So Much Sky hat einen originellen Beat, aber einen sehr plumpen Refrain. Summer’s Almost Gone schafft eine nette Atmosphäre, ist aber eines von vielen Beispielen für belanglose Texte und viel zu erwartbare Reime auf dieser Platte. What If I’m Wrong beschwört die Erinnerung an Erasure herauf, mit nicht ganz so viel Kitsch, aber leider auch nicht ganz so viel Grazie. Die Single Fall Together, an der Justin Parker mitgearbeitet hat, könnte auch zu Eskobar passen, verströmt aber ebenfalls einen unangenehm mediokren und gemütlichen Eindruck.

Teilweise liegt das daran, dass die Stimme von Mandagi, die gelegentlich an James Dean Bradfield von den Manic Street Preachers denken lässt, zu prominent im Mix ist, während die Drums oft zu dezent klingen. So gerät ein Song wie Lost, der die ewige Liebe beschwören will, leider blutleer. Ordinary World zeigt, was wohl aus den Courteeners würde, wenn sie Lager gegen Helium und Swag gegen Langeweile tauschen würden. In Providence wird zwar ein Sturm besungen, aber der Track ist bloß ein laues Lüftchen.

Manchmal wird Thick As Thieves sogar richtig schlimm: So wie Riverina klängen die Wombats, wenn sie so mies wären, wie die Coolnesspolizei behauptet. On The Run versucht sich an der Theatralik der Killers, bekommt aber nicht eine Spur von deren Glamour hin. Und der Schlusspunkt Closer will reduziert und subtil sein, ist aber einfach nur ereignislos.

All diese Vergleiche unterstreichen, wie sehr dieses Album ein Versuch ist, irgendeinen Trend aufzugreifen und sich mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit auf die „Make“-Seite zu retten. Doch das ist ein Bärendienst für diese Platte. The Temper Trap klingen hier nicht nur wie eine Band ohne Orientierung, sondern auch wie eine Band ohne Überzeugung und ohne eigenen Charakter. Sie klingen wie: The Temper Lack.

The Temper Trap spielen Fall Together bei Conan.

Website von The Temper Trap.

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