Hingehört: THEESatisfaction – „EarthEE“


Künstler THEESatisfaction

THEESatisfaction sind auf "EarthEE" ganz bei sich selbst.

THEESatisfaction sind auf „EarthEE“ ganz bei sich selbst.

Album EarthEE
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Was ist denn da los? Auf dem Cover ihres Debütalbums awE naturalE schauten Catherine Harris-White und Stasia Irons, die beiden Mitglieder von THEESatisfaction, noch entschlossen in dieselbe Richtung, auf einen Horizont, hinter dem sich wahrscheinlich ihr schwarzes Wunderland versteckte. Heute erscheint der Nachfolger EarthEE, und das Cover zeigt sie nackt auf einem Thron sitzend, entschlossen, fast versteinert, den Blick voneinander abgewandt.

Man sollte das auf keinen Fall für einen Fingerzeig halten, denn Harris-White und Irons, früher ein Paar, jetzt gute Freunde, stellen auch auf EarthEE vor allem ein Prinzip in den Mittelpunkt ihres Sounds: Symbiose. No GMO (jawohl, da geht es offensichtlich um Grüne Gentechnik) zeigt, dass Begriffe wie Takt, Strophe und Refrain für das Duo aus Seattle irrelevant sind – alles ist verwoben. Recognition ist enorm innovativ, Fetch/Catch ist ebenso ausgetüftelt, aber nicht, um mit Komplexität zu beeindrucken, sondern immer mit dem Ziel, den Vibe zu unterstützen.

Ist das Jazz? Soul? Oder doch, wie iTunes behauptet, Rap? Solche Fragen spielen bei den Schwestern im Geiste ebenfalls keine Rolle. Sie sind auf EarthEE so sehr bei sich selbst, dass man an manchen Track ein „Bitte nicht stören!“-Schild hängen möchte.

Natürlich bezieht sich die Idee von Symbiose und Einklang bei THEESatisfaction nicht nur auf die Musik. Songtitel wie Universal Perspective (einer von zwei Tracks, auf denen Meshell Ndegeocello den Bass spielt), Blandland oder Planet For Sale zeigen, dass hier Aktivistinnen am Werk sind. NPR hat dieses Prinzip, das für die Inhalte und den Sound gilt, schön zusammengefasst: „Indem das Duo Electronica, R&B, Neo-Soul, Avantgarde-HipHop und eine umfangreiche afro-futuristische Philosophie miteinander vermengt, haben Cat Harris-White und Stas Irons einen eigenen Kosmos aus politischem Bewusstsein, poetischen Texten und einer zähen, funkigen Instrumentierung erschaffen, der wie flüssiges Karamell klebt.“

Die Ergebnisse kann man durchaus esoterisch nennen (im Booklet schreiben THEESatisfaction, das Album sei „inspired by earth, humanity, reality and insanity“), immer ist EarthEE sanft, intuitiv und ausgeglichen. Dass das nicht öde wird, liegt an ein paar etwas kraftvolleren Momenten wie Nature’s Candy, dessen Beat man als möchtegern-aggressiv missverstehen könnte, das als zentrales Element dann aber doch die verführerischen Stimmen von Harris-White und Irons in den Vordergrund rückt. Und es liegt an den Gastauftritten der beiden Jungs von Shabazz Palaces. Tendai Maraire ist bei drei Tracks für die Drums und Percussions zuständig, Ishmael Butler rappt zweimal mit, unter anderem auf dem großartigen Titelsong.

Ein weiterer Höhepunkt ist Read You als Schlusspunkt des Albums – das führt vor Augen, wie die Fugees nach ein paar Avantgarde-Seminaren klingen könnten. Und es unterstreicht, was THEESatisfaction so einzigartig macht: Sie machen HipHop, der nicht nur ein Gewissen und eine Agenda hat, sondern sogar eine Seele.

Das Video zu Recognition könnte auch ein kritischer Werbeclip für eine Schmuckmesse sein.

Homepage von THEESatisfaction.

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