Timber Timbre – „Hot Dreams“


Künstler Timber Timbre

Schräg, cool und sexy - "Hot Dreams" macht seinem Namen oft Ehre.

Schräg, cool und sexy – „Hot Dreams“ macht seinem Namen oft Ehre.

Album Hot Dreams
Label Full Time Hobby
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Es ist immer schön, wenn eine Band eine klare Zielsetzung hat. Fanz Ferdinand beispielsweise waren mit dem Vorhaben in ihre Karriere gestartet, Mädchen zum Tanzen zu bringen. Die Ärzte wollten mit ihren Liedern (daher auch der Bandname) den Liebeskummer junger Menschen heilen. Und Timber Timbre, das wundersame Projekt von Taylor Kirk, hat mit Hot Dreams offensichtlich auch ein deutlich formuliertes Ziel: Sie wollen Quentin Tarantino das mühsame Stöbern in Second-Hand-Plattenläden ersparen.

Fast alles auf dem fünften Album der Kanadier klingt so cool, ungewöhnlich und schräg, dass Tarantino sich tatsächlich die Finger danach lecken dürfte. Der Auftakt Beat The Drum Slowly vereint gleich mal Science Fiction mit Ennio Morricone, ein bisschen Mariachi und einer guten Dosis Urge Overkill. Bring Me Simple Men fährt später Surfgitarren und alte Synthesizer auf, The New Tomorrow ordnet sich irgendwo in der Mitte zwischen den Doors und den Flaming Lips ein.

Dass Hot Dreams oft filmisch klingt, kommt nicht von ungefähr: Die Musik von Timber Timbre war unter anderem schon in Breaking Bad und dem Soundtrack von The Walking Dead zu hören, mit dem Vorgängeralbum Creep On Creepin‘ On wollte sich das Trio anscheinand als Hausband bei Twin Peaks bewerben. Die Streicher, die Mika Posen beigesteuert hat, tragen diesmal zum cineastischen Sound ebenso viel bei wie die Ideen von Multiinstrumentalist Simon Trottier. Dank ihres Einfallsreichtums funktionieren auch Resurrection Drive Part II, das wie ein Instrumental von einem Wüstenplaneten klingt, und der Todesmarsch-Rausschmeißer The Three Sisters, der ebenfalls ohne Gesang auskommt, dafür aber bedrohliche Kirchenglocken, eine geisterhafte E-Gitarre und Pianoklänge einsetzt, die so tief sind, als spiele da jemand die Tasten links neben der eigentlichen Klaviatur.

Ganz besondere Bedeutung bekommen die Lieder von Timber Timbre aber immer dann, wenn Taylor Kirk singt. In Curtains! scheint er dem subtilen Machismo von Chris Isaak oder Edwyn Collins nachzueifern. Die Band spielt fast besinnungslos stoisch, aber der Sänger hat nicht das Lied im Kopf, sondern nur die Verführung. In Grand Canyon meint man, Johnny Cash habe die Rivers Of Babylon für sich entdeckt. Spartanisch und tiefgründig wie Leonard Cohen kommt This Low Commotion daher, unter anderem mit der tonnenschweren Zeile „What does it mean to face desire so sadly?“ Besonders toll ist der Gesang in Run From Me, einer Morddrohung im Gewand eines Flirts, die sich dann sogar noch in eine Mini-Rockoper verwandelt.

Das Spiel mit Takten und Sounds auf Hot Dreams ist virtuos, ohne dabei auf Kosten der Stimmigkeit der Songs und der atmosphärischen Dichte des Albums zu gehen. Der an Roy Orbison erinnernde Titelsong („I wanna find another daydream / another nightmare“, singt Taylor Kirk darin) vereint Sexiness und Ernsthaftigkeit und schafft es sogar, ein gutes (!) Saxofonsolo zu präsentieren. Für so einen Moment würde wohl nicht nur Quentin Tarantino seinen Hut ziehen.

Spacig und antik zugleich wirkt das Video zu Beat The Drum Slowly.

Homepage von Timber Timbre.

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