Hingehört: Tiny Fingers – „The Fall“


Künstler Tiny Fingers

Cover des Albums "The Fall" von Tiny Fingers bei Anova Music

In kosmischen Dimensionen entfaltet sich die Musik der Tiny Fingers.

Album The Fall
Label Anova Music
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Früher wurden ihr noch Opfer dargebracht, weil man nicht viel mehr über die Sonne wusste als dass man froh sein sollte, wenn sie jeden Morgen wieder aufgeht. Heute sind wir ein ganzes Stück schlauer. Wir wissen, dass die Sonne 149 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist, an der Oberfläche bis zu 6000 Grad heiß wird und in acht Milliarden Jahren verglühen wird, nachdem sie zuvor die Erde verschluckt hat.

Wir wissen auch mit ziemlicher Sicherheit: Die Sonne hat keine Ohren. Amerikanische Wissenschaftler haben sogar herausgefunden (so sagt man in diesem Kontext ja gerne), dass sie über überhaupt keine Sinnesorgane verfügt. Tiny Fingers haben ihr jetzt trotzdem ein Lied geschrieben: Music For The Sun heißt der letzte Song auf ihrem neuen Album The Fall, und er entpuppt sich als ein gut acht Minuten langes Abenteuer.

Für die Band ist es ein ganz besonderer Track, erzählt Gitarrist Oren Ben David: “It was written during a long time and kind of summarizes the change and process that we had during this whole period. The track had many different faces and it took a lot of time for us to fully understand how it is going to sound, and what it is about. Then, there was this moment in the studio, when the track was almost done, friends came to visit us and we sat together to listen to the track. And even though we worked repeatedly on it, there was this strong feeling of listening to something for the first time, something new. It was like diving into the depths of consciousness and see yourself from a different perspective. And we did this journey together.”

Music For The Sun betrachtet er sogar als eine Blaupause für den Rest des Albums. „This album was written, in many ways, on unconscious land and with creation methods that was not completely clear to us. We discovered ourselves during the work on this album. It seemed as the track and the album really revealed itself during the process we’ve been through”, sagt David.

Dieses Gefühl, gleichzeitig schwerelos ins Nichts zu fliegen und zugleich zu ahnen, dass sich alles irgendwie fügen wird, ist durchaus passend, ebenso wie ein Songtitel wie Music For The Sun. Denn die Band aus Israel musiziert am liebsten in kosmischen Dimensionen. Alles auf The Fall ist fein aufeinander abgestimmt, strahlt eine ewige Harmonie und große Souveränität aus. Wie schon beim Vorgänger Megafauna bleiben die Tracks der Tiny Fingers komplett instrumental, auch die Idee, die einzelnen Lieder ineinander übergehen zu lassen, hat die Band beibehalten.

Neu ist eine Vorliebe für etwas ruhigere Klänge wie Nine Of Swords oder Eyes Of Gold, das wie der Soundtrack zu einem sehr, sehr mysteriösen Science-Fiction-Film klingt. In anderen Momenten (The Other) hört man noch die Hardrock-Prägung des Quartetts heraus, auch Deuteronomy ist durchaus typisch für diese Platte und bietet ungefähr das, was Muse machen, nur ohne den Operetten-Gesang.

Traveller Soul wirkt wie ein unsterblicher Klassiker aus der Cyborg-Disco und verrät mit seinem Titel, dass Tiny Fingers sich diesmal auch von den Eindrücken haben inspirieren lassen, die sie auf Tour gesammelt haben. Drops beeindruckt mit dem Einsatz von vergleichsweise altmodischen Werkzeugen, der doch vergleichsweise futuristische Ergebnisse hervorbringt. Und der Titelsong zeigt vielleicht am besten die technische Meisterschaft und musikalische Kreativität der Band: The Fall kommt aus dem Nichts, klingt auch lange wie nichts, nach knapp vier Minuten ist es aber plötzlich ein Tornado – man hat zwar nicht mitbekommen, wie er entstanden ist, aber man ist sehr froh, mittendrin sein zu dürfen.

Das Video zu The Fall bietet das, was es sonst nie bei den Tiny Fingers gibt: Monotonie.

Homepage der Tiny Fingers.

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