Hingehört: Vinnie Caruana – „Survivor’s Guilt“


Künstler Vinnie Caruana

Survivor's Guilt Vinnie Caruana Kritik Rezension

„Survivor’s Guilt“ ist das Solodebüt von Vinnie Caruana.

Album Survivor’s Guilt
Label Big Scary Monsters
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Survivor’s Guilt hat alle Zutaten, um als ein Vanity-Project gelten zu können. Wir haben hier einen Sänger (Vinnie Caruana), der sonst im Band-Kontext unterwegs ist (bei Movielife und I Am The Avalanche) und nun wohl zeigen möchte, dass viel mehr in ihm steckt (wie schon 2013 mit der akustischen EP City By The Sea). Ich kann nicht nur herumhopsen und schreien! Ich habe Tiefgang! Ich bin vielseitig! So läuft das dann normalerweise.

Es gibt auf diesem Solo-Debüt folglich einen ungesunden Hang zur Theatralik (We Don’t Have To Die Alone) und zur Egozentrik (der Sound von Gem Street ist Prototyp-Emo, der Text könnte allerdings auch zu einer Boygroup passen). „Plakativ“ ist für Vinnie Caruana offensichtlich kein Schimpfwort, und auch Larmoyanz ist ihm nicht fremd. Er besingt die feste Überzeugung, der wichtigste Mensch der Welt zu sein. Und natürlich scheitert er, wie so viele Sänger, mit dem Versuch, plötzlich Songs mit einem ganz anderen Charakter zu machen. Schließlich hat er eine dieser Stimmen, wie sie nur in Amerika entstehen können (Brendan B. Brown von Wheatus, Tom DeLonge von Blink-182 und Rivers Cuomo von Weezer haben auch so eine), und die ist viel zu markant, um eine völlige Neuerfindung zuzulassen.

Nicht zuletzt gibt es – wie so oft bei Soloversuchen von Bandkünstlern – größtenteils überflüssige Musik. Das schmissige Burn It Down thematisiert Frust und Stolz wie als Disneyland-Variante von Frank Turner. Angel Of The North könnte als solide Nummer von Gaslight Anthem durchgehen. Survivor’s Guilt ist okay, aber ohne echten Biss. I Don’t Believe You hat ebenfalls viel Tempo, aber wenig Power – auch deshalb, weil die Gitarre akustisch statt elektrisch ist.

Das Problem an der Unterstellung mit dem Vanity Project ist: Man kann Vinnie Caruana eigentlich keine Eitelkeit vorwerfen, so unfassbar dankbar ist er für die Möglichkeit, überhaupt ein Soloalbum machen zu können. „Mir war schon sehr früh klar, dass es nur eine Sache gibt, für die ich brenne, die ich wirklich liebe: Songs schreiben, Alben aufnehmen und Konzerte spielen, auf Tour gehen und neue Freundschaften schließen. Ich glaube, ich könnte niemals richtig glücklich sein, wenn ich etwas anderes machen müsste“, sagt er beispielsweise.

Er ist voll des Lobes für seine Mitstreiter bei dieser Platte, Kellen Robson (Bass) und Brett Romnes (Schlagzeug). Beide sind auch bei I Am The Avalanche dabei, Romnes hat Survivor’s Guilt zudem produziert und gemixt und wird von Vinnie Caruana prompt als „extrem talentierter Produzent“ gepriesen. Steve Choi (RX Bandits), der als Gastmusiker ebenfalls mitwirkt, wird als „das fehlende Puzzleteil“ geadelt, insgesamt habe er „wirklich Glück gehabt, Brett, Steve und Kellen auf dem Album zu haben“, sagt Caruana. „Sie sind brillante Musiker, gute Freunde und wir haben zusammen ein Album geschaffen, das besser nicht hätte werden können.“

Diese fast schwärmerischen Komplimente führen zu einem anderen Verdacht, warum Survivor’s Guilt so lau geworden ist: In bester Laune und umgeben von Ja-Sagern hat Vinnie Caruana einfach vergessen, seinen Songs so etwas wie Ecken und Kanten zu verpassen. Ein Beleg dafür ist Your Religion Is Killing Me, das letzte Stück des Albums: Der Song ist weitgehend instrumental und bezeichnenderweise trotzdem das Stück mit dem meisten Charakter.

Man kann das Leben auch umarmen, lautet wohl die Botschaft im Video zu We Don’t Have To Die Alone.

Vinnie Caruana bei Facebook.

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