Wild Nothing – „Life Of Pause“


Künstler Wild Nothing

Life Of Pause Wild Nothing Albumkritik Rezension

Dream Pop mit Akzenten liefert „Life Of Pause“.

Album Life Of Pause
Label Captured Tracks
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Einen Blick durchs Schlüsselloch gewährt das Cover von Life Of Pause, dem dritten Album von Wild Nothing. Und was sieht man? Natürlich Jack Tatum, den Mann hinter diesem Projekt. Und etliche Dinge, die perfekt zu seiner Musik passen: Pflanzen, Bücher, Sessel, eine Teekanne und sogar ein paar dieser Kugeln, die angeblich beruhigen sollen, wenn man sie über die Handfläche rollen lässt.

Was das Bild verspricht, hält die Musik auf dieser in Los Angeles und Stockholm aufgenommenen Platte: Verträumte Songs, die mal wie ein angenehmer Nachmittag mit Blick auf den Jahrmarkt klingen (Adore), mal wie die Klangwerdung von Zuckerwatte (Life Of Pause), mal schick und schwerelos wie die Leichtigkeit des Seins (Lady Blue).

Es ist leicht, diese Musik schön zu finden, aber Jack Tatum weiß natürlich auch, dass man seine Songs, die sich spätestens nach dem Erfolg des Vorgängers Nocturne sehr gemütlich in einer Schublade mit der Aufschrift „Dream Pop“ eingenistet haben, idealerweise auch noch spannend finden sollte.

Er findet einige Kniffe, die das möglich machen. Reichpop, das erste Lied auf Life Of Pause, wird nach einem ganz vorsichtigen Beginn karibisch im Sinne von Friendly Fires und entwickelt so eine fast betäubende Wirkung. To Know You wartet mit einem dominanten Bass auf, als würden sich New Order an einem Beitrag für Kuschelrock versuchen. Alien spielt mit Horror-Elementen und kommt so in die Nähe dessen, was Air auf dem Soundtrack von The Virgin Suicides veranstaltet haben.

Es ist aber längst nicht bloß Soundkosmetik, mit der Wild Nothing hier die Akzente setzt. Auch simple Songwriting-Kunst kommt zum Tragen, sei es mit hübschen Zeilen wie „I don’t believe in heaven, but you can be my church“ (A Woman’s Wisdom), einem Refrain, der bis in den Himmel wachsen will und das auch fast schafft (TV Queen) oder einer schönen Ballade, die sich ein kleines bisschen Groove nicht verkneifen kann (Whenever I).

Auch die beiden Highlights des Albums setzen eher auf klassische Werte denn auf Produktionskunst: In Japanese Alice gibt es etwas mehr von allem als bei den anderen Liedern: Punch, Melodie, Zauber. Und Love Underneath My Thumb, der Schlusspunkt von Life Of Pause, bestätigt dieselbe These, die auch der Rest des Albums formuliert: Man kann verspielt und gleichzeitig reif sein.

Im Video zu Whenever I spielt anscheinend Harrison Ford mit.

Website von Wild Nothing.

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