Hingehört: 17 Hippies – „Heimlich“


Besser wäre es, die 17 Hippies würden nur noch "Heimlich" Musik machen.

Künstler 17 Hippies
Album Heimlich
Label Hipster Records
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung *

Der vergangene Herbst war definitiv eine schwere Zeit für die 17 Hippies. Ausgerechnet in ihrer (Wahl-)Heimatstadt Berlin schien sich da zu beweisen, dass Multikulti gescheitert ist. Die Rütlischule muss ein schrecklicher Ort sein für eine Band, die sich eben genau die Mischung der Stile, Stimmen und Instrumente aus aller Welt zum Prinzip gemacht.

Dass sich das, was sich westeuropäische Mittelstandskinder als das Erbe von Balkan und Arabien, von Chanson und Vaudeville vorstellen, jedoch zumindest musikalisch mühelos zu einer einigermaßen friedlichen Koesxistenz vereinen lässt, beweisen sie auf Heimlich, ihrem erst zweiten Studioalbum in immerhin zwölf Jahren.

Die eigentliche Heimat der 17 Hippies – die wohl so etwas wie eine Kommune, aber eigentlich nur 13 sind – ist die Bühne, und das hört man auch der Platte an. Kaum legt man die CD ein, ist das alles sofort da: ein ganzer Saal voller Leute, für die Mode mit Faschismus gleichbedeutend ist, ein ganzes Arsenal an Instrumenten, die man sonst nur auf dem Flohmarkt sieht, und der nicht sehr angenehme Geruch von Gras und ungewaschenen Haaren in der Luft. Und eine Theke, an der es kein Bier gibt, sondern nur Tee und Wein in Pappbechern.

Denn dies ist, wenn es jemals eine gab, eine Platte für Weintrinker. Zu den Balladen wie Son mystère oder Wann war das kann man (und soll man wohl) wunderbar eine Flasche Cabernet Sauvignon leeren. Es wimmelt da von kruder Lyrik, wie man sie sogar von Rammstein lieber hören würde („Augen rauschen rastlos durch Gewitter“, jawohl). Element Of Crime lassen grüßen, und die Tindersticks in schlecht.

Anderes lässt sich sowieso erst nach einer Flasche Wein (oder mehr) ertragen. Schattenmann klingt (mit Pikkoloblockflöte!) als hätte man die Sterne gezwungen, zur Hausband in einem Gefangenenlager im Kosovo zu werden. Tick tack ist genau die Musik, die junge Menschen dazu bringt, ihr Philosophie-Studium abzubrechen. Zum Titelsong werden sicherlich Kinder gezeugt, die später in Patchwork-Familien aufwachsen müssen.

Madame könnte spielend leicht 60 Jahre der Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen zunichte machen, so viele Klischees werden hier bedient. The Moving Song lässt gar eine Maultrommel erklingen. Herrgott.

Die 17 Hippies sagen Adieu. Schön wär’s:

17 Hippies bei MySpace.

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