Adam Green – „Gemstones“ 1


Künstler Adam Green

Auf „Gemstones“ versucht sich Adam Green als Crooner. Klingt aber eher wie Homer (Simpson).

Album Gemstones
Label Rough Trade
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung

Bei Adam Green ist Vorsicht geboten. Er erklärt in einem Lied schon einmal, wie man am besten den Liebesakt mit einem Mädchen ohne Beine vollzieht. Er ist plötzlich Autor einer gerade bei Suhrkamp erscheinenden Slam-Poetry-Anthologie namens magazine. Oder übernimmt für seine aktuelle Single Emily einfach die Strophe von Torfrocks Beinhart.

Insofern hätte man gewarnt sein können. Er hatte es ja schon einmal getan: Nach dem spartanischen Debüt Garfield legte er 2003 plötzlich Friends Of Mine vor, schwelgend in Streichern, ganz großen Gesten und noch größeren Songs. Nun ist wieder eine neue Platte da – und wieder ist kaum etwas so wie zuvor.

Adam Green macht auf Gemstones weiter seine obszönen Späße, aber vor allem macht er sich einen Spaß daraus, Erwartungen nicht zu erfüllen. Das gilt für das Album als Ganzes, aber auch innerhalb der einzelnen Songs. Denn die verzichten ganz auf Streicher, bestehen dafür aber aus vielen kleinen Versatzstücken, nehmen höchst erstaunliche Wendungen und versuchen radikale Rhythmuswechsel – und das, wo kaum eines der Stücke länger als zwei Minuten ist. „Ich wollte, dass das nächste Element immer ganz anders ist als das davor“, erklärt Adam Green den Wunsch nach dem Ungewöhnlichen. Das ist gelungen.

Das Ergebnis erinnert gelegentlich an Kabarett oder sehr späte Doors, deutlich hört man Greens Tenor auch an, dass er eine ironische Eleganz in der Art Jacques Brel oder Serge Gainsbourg anstrebt – allerdings klingt das manchmal nicht wie ein Crooner, sondern eher wie Homer (Simpson).

Es gibt neben dem manchmal seelenlosen Gesang noch ein Problem: Die Überraschungen sind kaum in den Song integriert, sondern oft genug offene Brüche, die Gemstones sperrig machen und unausgegoren klingen lassen.
Die Erklärung liefert die Arbeitsweise des New Yorkers: Er nimmt alle Ideen auf einem Diktiergerät auf und puzzelt sie dann zu Liedern zusammen. Die vierköpfige Band, mit der Green auch auf Tour war, setzt das dann im Studio um.

Diese Band ist noch so ein Problem: Denn neben dem Kaschieren einiger allzu unfertigen Kompositionen trägt sie kaum etwas zu Gemstones bei. Keines der Stücke würde etwas verlieren, wenn Green sie alleine zur Gitarre spielen würde.

Erst dann würde sich auch das wahre Gesicht dieser Songs zeigen. Denn natürlich ist diese Platte trotz aller Mängel um Welten besser als alles andere, was sich derzeit in den Charts tummelt – und ein weiterer Beweis für Adam Greens Potenzial. Der gerade mal 23-Jährige hat auch hier wieder ein paar wunderhübsche Melodien auf Lager. Er liefert noch immer diese Texte voller heiliger Einfalt, kindlicher Ehrlichkeit, zynischem Witz und tiefer Weisheit ab. Adam Green hat immer noch das Zeug, der Jonathan Richman seiner Generation zu werden. Auch wenn die Gemstones eher Rohdiamanten sind.

Sag ich doch: Kabarett und eine überflüssige Band. Der Clip zu Emily:

Adam Green bei MySpace.


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