Hingehört: Angus Stone – „Broken Brights“


Künstler Angus Stone

Mit 26 Jahren hat Angus Young erstmals ein Album unter eigenem Namen gemacht.

Mit 26 Jahren hat Angus Young erstmals ein Album unter eigenem Namen gemacht.

Album Broken Brights
Label Desert Harvest Records
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung

Wenn zwei Geschwister gemeinsam musizieren, dann sind Spannungen vorprogrammiert. Mark und David Knopfler verkrachten sich 1980 im Studio derart, dass Letzterer bei den Dire Straits ausstieg. Dave Davies war bei den Kinks so frech, ein paar ihrer Songs unter seinem eigenen Namen zu veröffentlichen (zum Beispiel Death Of A Clown, bei dem sein Bruder Ray mitgeschrieben hatte). Und Noel und Liam Gallagher trugen ihre Meinungsverschiedenheiten bei Oasis gerne auch mal mit den Fäusten aus.

Angus Stone hat jahrelang mit seiner Schwester Julia zusammen in einer Band gespielt, die sinnigerweise Angus & Julia hieß und immerhin eine Million Alben verkauft hat. Mit 26 Jahren legt er nun erstmals eine Platte unter eigenem Namen vor. „Ich habe das Gefühl, meine persönlichste Arbeit bis dato abgeliefert zu haben. Dieses Album ist die Essenz dessen, was ich seit langer Zeit suche“, sagt der Australier.

Daraus spricht ein bisschen der Geist von Befreiung – und die Andeutung, dass er sich im Duo-Korsett zuletzt nicht mehr so entfalten konnte wie gewünscht. Auch die Tatsache, dass mit Wooden Chair ein Song auf Broken Brights vertreten ist, den zuvor schon Angus & Julia aufgenommen hatten, den Angus Stone aber unbedingt noch einmal überarbeiten wollte (es gibt jetzt fröhliches Händeklatschen und noch fröhlicheres Pfeifen), bestätigt diesen Verdacht.

Wer nun aber glaubt, auf Broken Brights werde schmutzige Wäsche gewaschen oder die große Abrechnung mit seiner Schwester stehe an, liegt falsch. Das Album ist beinahe harmoniesüchtig, und auch stilistisch bleibt Angus Stone seinem bisherigen Stil treu: Folk, sanfter Pop und beschauliche Indielieder sind hier versammelt.

River Love beginnt fast nur mit Banjo und Gesang, bevor es Fahrt aufnimmt, ohne wirklich euphorisch zu werden: Das „lalala“ am Ende klingt mindestens so abgeklärt, weise und müde vom Leben wie bei Bob Dylan. Der verträumte Titelsong würde gut zu Bright Eyes passen, das robuste Bird On The Buffalo klingt, als schaue Neil Young zu einer Stippvisite bei den Lemonheads vorbei. The Blue Door wäre mit Panflöte und Besenschlagzeug perfekt als Soundtrack zu einem Western, in dem es wenig Schießereien, aber viele böse Blicke gibt (und alle Cowboys aussehen wie Chris Isaak).

Spätestens bei Apprentice Of The Rocket Man, das viel Flair der frühen Siebziger irgendwo zwischen Donovan und Steve Miller verströmt, muss man staunen, wie rund diese zwölf Lieder klingen – schließlich wurde Broken Brights an so unterschiedlichen Orten wie einem Chateau in der Schweiz, dem Strand von Australien und einem Blockhaus in Indien aufgenommen. Aber Angus Stone, der das Album auch selbst produziert hat, kriegt es hin, daraus ein sehr stimmiges Ganzes zu machen: Seine Stimme unterstützt immer wieder die sehr reizvolle Attitüde von Beiläufigkeit, und er hat auch keine Angst, auf die einfachsten Mittel zu setzen.

Only A Woman mit seinem tollen Harmoniegesang ordnet sich irgendwo zwischen Tom Petty und Crosby, Stills & Nash ein. Das sanfte The Wolf And The Butler bietet klassischen Folksound inklusive Mundharmonika, Monsters wird von einer Trompete und einer Frauenstimme im Hintergrund aufgehübscht, Be What You Be zeichnet eine wunderbare Simon & Garfunkel-Leichtigkeit aus. Clouds Above möchte sich anscheinend selbst in den Schlaf wiegen.

Dazu kommen ein paar vergleichsweise düstere Momente, die das Spannungslevel hochhalten wie das beinahe übellaunige It Was Blue und der Rausschmeißer End Of The World, der so wirkt, als hätten sich die Dandy Warhols auf der Suche nach dem Geist der Doors in der Mojave-Wüste verlaufen.

Die Songs, in denen Angus Stone auch einmal die E-Gitarre herausholt, bewahren Broken Brights vor der Gefahr gelegentlicher Belanglosigkeit. Und auch sie zeichnet aus, was dieses Album letztlich ausmacht: gutes Songwriting, lässig, unaffektiert und warm.

Die Wüste spielt eine Hauptrolle im wunderhübschen Video zu The Bird On The Buffalo:

Homepage von Angus Stone.

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