Art Brut – „It’s A Bit Complicated“ 2


Künstler Art Brut

„It’s A Bit Complicated“ wimmelt von charmanten Zweizeilern.

Album It’s A Bit Complicated
Label Fierce Panda
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung

Wenn man Eddie Argos in diesen Tagen auf einer Festival-Bühne sieht, beispielsweise beim Southside, dann wird zweierlei klar. Zum einen: Niemand sonst kann die Kombination aus Strickjacke und geborenem Popstar zu solcher Harmonie führen wie der Sänger von Art Brut. Zum anderen: Beim Blick ins Publikum wundert er sich heimlich noch immer selbst, warum er ausgerechnet hier in Deutschland eine große Nummer ist, während Art Brut daheim in England noch immer bloß eine von vielen leidlich bekannten Indie-Bands sind.

Es könnte an der Vorliebe deutscher Studentinnen für enorm behaarte Oberkörper liegen. Wahrscheinlicher ist jedoch ein anderer Grund: In Großbritannien hat man seit gut zehn Jahren (damals trat Paragraf 4 des Oasis-Gesetzbuchs zur Erlangung der Weltherrschaft in Kraft) ein Problem mit Bands, die sich nicht mindestens als das geilste Ding betrachten, seit Moses das Meer geteilt hat. Wer sich – wie Art Brut – selbst nicht allzu ernst nimmt, ist erst einmal suspekt. In Deutschland hingegen ist man spätestens seit NDW oder den Ärzten gewohnt, dass Rockmusik auch mit einem breiten Grinsen daherkommen kann. Und nicht zuletzt hat man hierzulande wohl einfach ein bisschen schneller entdeckt, dass Art Brut eine großartige Band sind.

Auch ihr zweites Album It’s A Bit Complicated macht das klar. Eddie Argos feuert tolle Zweizeiler noch immer mit einer sagenhaften Frequenz und Präzision heraus. „Life is what you make it / and I made mine a mess“, ist so ein Fall. Und noch besser: „People in love lie around and get fat / I didn’t want us to end up like that.“ Dazu kommt eine wunderbare Verspieltheit. Das fängt beim Cover an, das aussieht, als sei es in einer langweiligen Biologie-Stunde entstanden. Und das kommt vor allem in einer unbändigen Liebe zum Pop zum Ausdruck. Pop nicht nur als Sound und Herangehensweise, sondern auch als Thema, als way of life. Alles dreht sich um Mixtapes und Kopfhörer, um das Auswendiglernen von Songtexten und die richtigen Verweise – ein Fest.

Die Musik klingt noch immer, als würden Franz Ferdinand im Zimmer nebenan die Songs von Thin Lizzy proben. Doch das ganze wird mit so viel Charme und Feuer dargeboten, dass daraus auch ganz ohne Melodie Hits werden wie, ähm, Direct Hit oder das grandiose People In Love.

Die Höhepunkte sind Post Soothing Out (in dem ein angedeuteter HipHop-Beat mit einer faszinierenden Gitarrenfigur kämpft) und die superbe Single Nag Nag Nag Nag. Und das unsagbar charmante St. Pauli. Er habe seine Deutschkenntnisse nur von einer 7″-Platte, entschuldigt sich Eddie Argos für den holprigen Refrain „Punkrock ist nicht tot.“ Es gibt ein tolles Wort dafür, aber blöderweise nur auf Englisch: hillarious.

Das offizielle Video zum Direct Hit:

Art Brut auf MySpace.


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