Hingehört: Ash – „Meltdown“


Das Cover täuscht nicht: "Meltdown" klingt nach Motorrad - und hochprozentig.

Künstler Ash
Album Meltdown
Label Infectious Records
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ****

27. Andere Bands veröffentlichen in dem Alter ihr Debüt. Ash hingegen legen ihr fünftes Studiowerk vor. „The youngest old band on the planet“ hat der NME die Nordiren deshalb genannt. Und Drummer Rick McMurray betrachtet die jüngsten paar Kapitel der Ash-Geschichte „like Aerosmith’s entire career condensed into four years – without the heroin“.

In der Tat war eine Menge los mit Ash in den zehn Jahren seit Jack Names The Planets. Sie haben den Rausch und den Kater erlebt, sind mit dem famosen Free All Angels auferstanden und haben es, wie man hört, mittlerweile sogar geschafft, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen und in Star Wars mitzuwirken, zumindest in dem Computerspiel. Und sie haben eine neue Platte. Und sie haben einen neuen Sound.

Meltdown ist noch einen Zacken härter als der Vorgänger, Ash klingen noch ein bisschen motorradiger, wilder, hochprozentiger. Die Gründe dafür sind nicht etwa Tim Wheelers neue Gitarreneffekte, der längst fortgejagte DJ, der die Band noch auf Nu-Clear Sounds unterstützte, und auch nicht die ausgetriebenen Dämonen, die Bassist Mark Hamilton jahrelang heimsuchten (nicht fragen, einfach glauben).

Der Schlüssel zur Härte liegt woanders: Zum einen im neuen Produzent Nick Raskulinecz (Queens of the Stone Age, Foo Fighters), zum anderen in den Extremitäten von Drummer Rick McMurray. Insbesondere die der Special-Edition des Albums beiliegende Live-CD offenbart, welchen Punch sich der Trommler inzwischen antrainiert hat. So viel Wucht und Power hatten Ash noch nie.

Stücke wie Clones oder Detonator machen deutlich, dass Metal hier nicht bloß für die T-Shirt-Motive Pate stand. Meltdown ist – natürlich eingedenk der patentiert zuckersüßen Melodien – Rifforama und ein Fest des harten, schnellen Rock.

Schon der Opener Meltdown prescht voran wie von einem Schwarm Hornissen gestochen. Orpheus hat kaum weniger Energie, dazu noch die bessere Melodie. Den NME brachte der Song zur sehr richtigen Erkenntnis: „They’ll always have the skills to whack out a summery indie metal anthem that reminds you of festivals, warm beer and your fifth form crush.“

In der Tat ist es bestechend, mit welcher Konstanz und Leichtigkeit Tim Wheeler all diese Kracher raushaut, die man sofort ins Herz schließt und nie mehr aus dem Ohr bekommt. Auch hier wimmelt es wieder davon: Renegade Cavalcade dürfte bei allen künftigen Ash-Shows zu den Highlights zählen. Evil Eye gehört zum Besten, was die Vier je gemacht haben. Out Of The Blue ist ein verdammt groovender Instant-Hit. Starcrossed entpuppt sich nach wenigen Tönen als ein feuchter Traum von einem Liebeslied, kühn und rein.

Natürlich hat man das alles auf den letzten Platten schon ganz ähnlich gehört. Doch wie hat der große Benjamin von Stuckrad-Barre erkannt: Ash machen „Musik, die sich – und das ist unglaublich romantisch und Pop – nicht eine Sekunde darum schert, ob das nicht schon mal und ob nicht vielleicht besser … Be here now, kann man da nur sagen.“

Das Video zum wunderhübschen Sometimes, ganz offensichtlich in Kuba gedreht:

Ash bei MySpace.

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