Hingehört: Awolnation – „Megalithic Symphony“ 1


In die Wundertüte namens "Megalithic Symphony" packen Awolnation auch ein bisschen Ironie.

In die Wundertüte namens „Megalithic Symphony“ packen Awolnation auch ein bisschen Ironie.

Künstler Awolnation
Album Megalithic Symphony
Label Red Bull Records
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung **1/2

Man muss mit vielen Überraschungen rechnen in diesen Tagen. Deutschland holt keine Olympia-Medaillen mehr im Schwimmen. Eine CDU-Ministerin macht sich für die Homo-Ehe stark. Und Teddybären sind auch nicht mehr die braven, tollpatschigen Zeitgenossen, die sie einmal waren. Aber ein Album, bei dem man als Einflüsse zugleich Jerry Lee Lewis und Brandon Flowers, Blink 182 und David Guetta benennen muss? Das war nun wirklich nicht zu erwarten. Vor allem nicht von Aaron Bruno.

Der hat sich bisher als Sänger von Under The Influence Of Giants versucht, weil das aber nur leidlich hilfreich war beim Versuch, ein Popstar zu werden, hat er nun sein eigenes Projekt. Es heißt Awolnation, und das dazugehörige Debütalbum Megalithic Symphony ist genau jene oben beschriebene Wundertüte.

Der Bandname leitet sich aus dem schönen Teenager-Spruch „I’ve gone AWOL“ ab. AWOL wiederum steht für „Absent Without Official Leave“, also das unentschuldigte Fehlen, mit dem man Lehrer verwirren, Eltern ärgern und das Leben genießen kann. Die Beastie Boys und The Prodigy haben übrigens einst Songs namens A.W.O.L. aufgenommen, und wundersamerweise sind genau diese beiden Bands auf Megalithic Symphony sofort indirekt präsent. Der Titelsong, der als Intro fungiert, könnte von beiden stammen, und auch auf Soul Wars, das erste echte Lied auf diesem Album, trifft das zu: Dynamisch und höchst plakativ geht es hier zu. Synthies, Drums und Gesang sind so theatralisch, dass das Ganze auch gut zu The Darkness passen würde.

Der Awolnation gehören neben Bruno derzeit vier weitere Musiker an und sie „steht für die Flucht aus dem Alltag. Sie ist eine Feier der Liebe und des Glücks. Eine musikalische Droge – so könnte man es sehen. Diese Nation hat keine Verfassung, keine Minister, Präsidenten, Könige, Königinnen. Alle Menschen sind gleich“, erklärt Aaron Bruno. Er selbst scheint sich in diesem Machtgefüge vor allem die Freiheit herauszunehmen, einfach mal alles auszuprobieren.

People könnte die Killers glücklich machen, der Text ist pseudo-bedeutend, der Beat gut tanzbar, der Refrain verdammt eingängig. Jump On My Shoulders setzt da in puncto Hitpotenzial noch einen drauf. Burn It Down ist so forsch und hyperaktiv, wie man das von einer der ersten Veröffentlichungen von Red Bull Records erwarten durfte. Guilty Filthy Soul nimmt ein bisschen Soul und ein bisschen HipHop und jagt das alles gekonnt durch die Zauberkiste moderner Studiotricks.

Die Kombination aus Härte und Verspieltheit findet sich immer wieder auf Megalithic Symphony, ob in Wake Up mit dem zusätzlichen Gesang von Arielle Verinis oder in Sail, wo sich die Stimme mächtig ins Zeug legt, der Sound dazu aber ganz kühl bleibt. In Not Your Fault scheinen sich gar ein paar Spaßpunks ins Radiochartland verlaufen zu haben. Der knapp zwölfminütige Rausschmeißer Knights Of Shame beginnt wie Hot Chip, bietet dann eine Rap-Einlage und endet als Rockoper. Davor überzeugt All I Need als Pianoballade, die trotz Chor und Theatralik nicht übertrieben pompös wird.

Eine der Stärken von Awolnation ist zweifellos auch, dass Aaron Bruno sich bei aller Ambition einen Sinn für Ironie bewahrt hat. Sein „Hoo! Ha!“ in Soul Wars und People kann ebenso wenig ernst gemeint sein wie der Jerry-Lee-Lewis-Gedächtnisschrei in Jump On My Shoulders und Burn It Down. Seine zweite Stärke ist die Fähigkeit, unter einer dicken Schicht aus Glitter und Modernität, die auch ein paar Missgriffe mit sich bringt, in der Regel einfach brauchbare Popsongs wie Kill Your Heroes zu packen, die in etwas reduzierterem Gewand beispielsweise gut zu den New Radicals oder Marcy Playground gepasst hätten. „Ich will kein Popstar sein“, behauptet Aaron Bruno zwar. Aber auch wenn man ihm das kaum glauben mag, so erkennt man in Awolnation doch deutlich seinen zweiten Leitsatz: „Ich will einfach nur Songs schreiben, die so gut sind, dass alle Menschen sie lieben können.“

Awolnation spielen Jump On My Shoulders live in Austin:

Homepage von Awolnation.


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