Hingehört: Beachwood Sparks – „The Tarnished Gold“


Für Beachwood Sparks und "The Tarnished Gold" ist die Zeit mittlerweile wohl reif.

Für Beachwood Sparks und „The Tarnished Gold“ ist die Zeit mittlerweile wohl reif.

Künstler Beachwood Sparks
Album The Tarnished Gold
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***1/2

2000 ≠ 1969. 2003 ≠ 1969. 2012 = 1969. Das ist so etwas wie Mathematik für Fortgeschrittene. Oder aber: Die Karriere von Beachwood Sparks, als Formel ausgedrückt.

Wer es jetzt immer noch nicht versteht, bekommt gerne noch ein bisschen Nachhilfe in Buchstabenform. Beachwood Sparks sind ein Quartett aus Los Angeles, das sich dem Sound verpflichtet fühlt, den Gram Parsons einmal „cosmic American music“ genannt hat. Es gibt also herrliche Akustikklänge mit traumhaftem Harmoniegesang, mit Pedal-Steel-Gitarre, Banjo, Mundharmonika und allem drum und dran. The Byrds, Buffalo Springfield oder Crosby, Stills & Nash waren die Aushängeschilder dieses Genres. Mit einem Satz: Beachwood Sparks machen Musik aus dem Jahr 1969.

Als sie im Jahr 2000 ihr Debütalbum vorlegten, ließ sich damit kaum reüssieren. Bis zum Jahr 2003 folgten noch eine weitere LP und eine EP, aber kaum echte Perspektiven für die Band, sodass sich das Quartett auflöste. Jetzt sind sie wieder vereint und haben mit The Tarnished Gold ein neues Album gemacht. Und diesmal könnte es klappen mit der Anerkennung. Denn seit 2003 haben Bands wie Fleet Foxes und Bon Iver oder die neue Britfolk-Generation um Mumford & Sons oder Laura Marling dafür gesorgt, dass Lieder durchaus wieder geschätzt werden, die nach alten Männern auf der Veranda am Sonntagnachmittag klingen.

Genau solche liefern Chris Gunst (Gitarre), Brent Rademaker (Bass), Farmer Dave Scher (alles Mögliche) und Aaron Sperske (Schlagzeug), die zudem alle auch singen, auf The Tarnished Gold. „Forget the song that I’ve been singing“, lautet ihre Aufforderung ganz zu Beginn in Forget The Song. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn das Quartett hat massenhaft tolle Melodien in petto. Das Einzige, was dazu beiträgt, dass die sich doch nicht allzu lange einprägen, ist die Fluffigkeit, mit der Beachwood Sparks agieren.

Water From The Well ist unfassbar zart, zum Ende von Sparks Fly Again, das mit seinem dezent rockigen Beat am ehesten an die Byrds erinnert, muss man fast von Easy Listening sprechen, das zärtliche Leave That Light On gemahnt an die Atmosphäre, die von den Beatles (übrigens 1969) für den Sun King erschaffen wurde. Und nicht zuletzt gehört Originalsound von 1969 nun einmal auch ein bisschen Esoterik samt Textzeilen wie „You are like the warmth of the sun / I am like your shadow“ (Mollusk) oder die altkluge Erkenntnis des Titelsongs: „Funny when you find what you’re looking for / it was already there“.

Die Hippie-Philosophie fügt sich auf The Tarnished Gold allerdings erstaunlich stilsicher ein. Denn auch der Klang von Beachwood Sparks basiert auf Gemeinschaft, Zusammenhalt, Miteinander. Das meint nicht nur den Harmoniegesang oder die Tatsache, dass Gäste wie Neal Casal (Ryan Adams & The Cardinals), Ben Knight (The Tyde) oder Dan Horne, der die Pedal Steel spielt, mühelos ins Bandgefüge integriert werden, sondern das gesamte Flair dieses Albums. The Tarnished Gold klingt, als seien Phänomene wie Egoismus und Einsamkeit ein für allemal besiegt. Talk About Lonesome und das tröstliche Alone Together machen das sogar fast explizit. Und selbst, wenn plötzlich eine Mariachi-Ballade wie No Queremos Oro erklingt, dann verlieren Beachwood Sparks niemals das, was sie ausmacht: emotionale Aufrichtigkeit. Und ein so seltenes Gut sollte eigentlich in jedem Zeitalter gefragt sein.

Skateboarding ist total 1969, jedenfalls im Video zu Forget The Song:

Beachwood Sparks bei MySpace.

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