Hingehört: Beak> – „>>“


So rätselhaft wie der Albumtitel ist auch die Musik von Beak>.

So rätselhaft wie der Albumtitel ist auch die Musik von Beak>.

Künstler Beak>
Album >>
Label Invada
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung ***

Man hätte Geoff Barrow nicht verübeln können, wenn er Beak> vor ein paar Monaten hätte sterben lassen. Als musikalisches Mastermind bei Portishead, als Chef seiner eigenen Plattenfirma (Invada Records), mit seinem neuen HipHop-Projekt Quakers und als Produzent beispielsweise für The Horrors, Anika oder The Coral hat er eigentlich genug zu tun.

Und es ist noch nicht allzu lange her, das lief es bei Beak>, seinem gemeinsamen Projekt mit Matt Williams und Billy Fuller, alles andere als gut. Nach dem Debüt 2009 folgte eine erfolgreiche Tour, dann wollte das Trio den Schwung der Konzertreise gleich ins Studio für Album Nr. 2 mitnehmen. Aber bei den Sessions kam nur Mist heraus. Irgendwann war die Durststrecke aber überwunden, und nun ist >> fertig, das zweite Album des Trios.

Warum die Magie nach langem Probieren plötzlich wieder da war, vermag niemand so recht zu sagen. „It may have been the diesel fumes from the bands tour splitter bus had worn off, others say that the band simply turned their amplifiers down”, spekuliert das Presseinfo zu >>. Aber dass der Zauber wieder da ist, kann niemand bestreiten.

Beak> musizieren hier in einem Universum, in dem nur der Moment zählt, in einer Klangwelt, die völlig unwirklich klingt und doch authentisch. Der Auftakt The Gaol beginnt mit Störgeräuschen, danach flirren Frequenzen wild durcheinander; dazu erklingen ein Schlagzeug, als spiele jemand eines dieser affigen YouTube-Covers ein (dessen Songvorlage aber nicht zu hören ist), und ein stoischer Bass, der fies genug ist um sicherzustellen, dass nicht plötzlich jemand „Jazz“ zu dieser Musik sagt

Es ist eines von vier Instrumentals auf dieser Platte, doch keines davon kommt in die Nähe von Beliebigkeit oder Nebenbei-Musik. Liar lässt an Kraftwerk denken. Das gespenstische Ladies Mile könnte ein Überbleibsel des Soundtracks von The Virgin Suicides sein. Nervös, ungeduldig und latent wahnsinnig klingt Elevator.

Besser sind trotzdem die Stücke mit Gesang, ebenso wie die Instrumentals praktisch komplett live aufgenommen und meist auf Jam-Sessions beruhend. Oft trifft die scheinbare Monotonie des Basses auf Komplexität des Krautrock-Schlagzeugs wie in Spinning Top. Der Beat von Yatton ist New Wave, die Stimme könnte aus der alten Küche von Ian Curtis kommen. Egg Dog könnte mit seiner Zurückhaltung und der prominenten Orgel als Demo der Beta Band durchgehen.

Das düstere Wulfstan II nähert sich einer Industrial-Atmosphäre an, mit aggressivem Bass, einsamer Gitarre und einem Gesang, der irgendwo herkommt, aber sicher nicht von dieser Welt. Die faszinierende Ballade Deserters wirkt beinahe, als hätten sich Nirvana an Jazz versucht. Und im Rausschmeißer Kidney scheint sich der Bass mutig ins Dunkel zu stürzen, während der geflüsterte Gesang und die verwehte Gitarre erst kaum wagen, ihm zu folgen, und dann am Ende klingen, als seien sie vollends in Panik geraten. Diese Musik ist unterm Strich mindestens so spannend wie der Versuch, den Albumtitel >> auszusprechen.

Mit Videos haben es Beak> nicht so. Aber hier kann man immerhin Yatton hören:

Homepage von Beak>.

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