Hingehört: Black Mountain – „Wilderness Heart“


Black Mountain führen auf "Wilderness Heart" alles vor, was man mit einer Gitarre machen kann.

Black Mountain führen auf „Wilderness Heart“ alles vor, was man mit einer Gitarre machen kann.

Künstler Black Mountain
Album Wilderness Heart
Label JagJaguwar
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung **1/2

Bevor sie sich auf einen Namen festlegen, in den Proberaum gehen, Klamotten kaufen oder Tourpläne schmieden, denken sich viele Bands erst einmal eine möglichst abgefahrene Entstehungsgeschichte aus. Black Mountain nicht. Sie erzählen einfach die Wahrheit. „Die meisten von uns standen in ähnlichen T-Shirts und Schuhen auf Parties herum und nickten im Takt zu coolen Stücken aus der Anlage, die anderen hatten wir schon vorher hinter einer Wand gehört, aber nie gesehen. Und dann passierte das Übliche: Man raucht zusammen eine, trinkt einen Schnaps, und eh man sich versieht, landet man für den Rest des Lebens zusammen in einem Van“, erinnert sich Black-Mountain-Kopf Stephen McBean an die Anfangstage der Band aus Vancouver.

Dieses unprätentiöse Statement ist durchaus typisch für die Musik von Black Mountain. Denn das Quartett steht für Rockmusik der härteren Sorte, die von Fans dieses Genres womöglich noch immer gerne „handgemacht“ genannt wird. Mit ihren ersten beiden Alben haben Black Mountain zumindest reichlich Kritikerlob eingefahren, nun folgt Wilderness Heart, entstanden in Seattle und Los Angeles und erstmals in Zusammenarbeit mit Produzenten von außerhalb (Dave Sardy, Randall Dunn).

„Man kann die Elektrizität oder die Art und Weise, wie sich deine Gliedmaßen an einem bestimmten Tag bewegen, nicht beeinflussen. Man muss die Visionen außen vor lassen und einfach mit dem Flow gehen“, erklärt McBean die – schon wieder – reichlich unprätentiöse Herangehensweise an Wilderness Heart. Das Ergebnis ist ein Panoptikum all dessen, was man mit einer Gitarre anstellen kann.

The Hair Song und The Way To Gone sind solider Rock mit vorsichtigen Americana-Anleihen, wie man ihn auf dem Blue-Rose-Label schätzt. Rollercoaster und Wilderness Heart kommen in einem tonnenschweren Gewand aus Blues daher. The Space Of Your Mind ist so todtraurig, dass es jeden Cracker-Fan freudestrahlend machen wird, der Rausschmeißer Sadie wird zu einer Art Mörderballade im Stil von Nick Cave. Old Fangs hat kein anderes Prädikat im Sinn als „lupenreiner Stonerrock“, Radiant Hearts könnte man einen psychedelischen Folk-Diamant nennen. Buried By The Blues ist eine hübsche Ballade, bis auf ein paar ganz altmodische Synthie-Streicher komplett akustisch und mit wunderhübschem Zusammenspiel der Stimmen von McBean und Amber Webber. Und das wilde Let Spirits Ride orientiert sich dann nicht mehr nur an den hier allgegenwärtigen Led Zeppelin, sondern geht noch einen Schritt weiter und macht auf Black Sabbath.

All das ist sehr kompetent gespielt, aber leider auch beliebig. Mitunter ergeht sich Wilderness Heart so sehr in den Klischees und Konventionen des jeweiligen Genres, dass man die Scherzkekse von Ween am Werke wähnt. Trotzdem: Alle, die gerne Zeige- und kleinen Finger in die Luft recken, werden sich hier Zuhause fühlen.

Das Video zu Old Fangs ist Easy Rider, aber auf vier Rädern:

Black Mountain bei MySpace.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.