Black Rebel Motorcycle Club – „Specter At The Feast“


Künstler Black Rebel Motorcycle Club

Power und Verletzlichkeit beweisen BRMC auf "Specter At The Feast".

Power und Verletzlichkeit beweisen BRMC auf „Specter At The Feast“.

Album Specter At The Feast
Label Cooperative Music
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Im August 2010 stand ich im Schlamm vor der Bühne beim Highfield-Festival (das damals eine einzige Schlammgrube war) und freute mich auf die Show des Black Rebel Motorcycle Club. Die Band kam nicht. Das lag nicht daran, dass die Kalifornier keine Lust auf sächsisches Regenwetter hatten. Es hatte viel tragischere Gründe: Kurz zuvor war Michael Been gestorben, der Produzent und Tontechniker der Band, außerdem der Vater von Bassist Robert Been und so etwas wie das inoffizielle vierte Mitglied des Black Rebel Motorcycle Club.

Als Hommage an Michael Been gibt es auf Specter At The Feast, dem heute erscheinenden sechsten Album der Band, eine Coverversion von Let The Day Begin – Ende der 1980er hatte Been senior, damals als Mitglied von The Call, damit einen Hit. Die Band seines Sohns macht daraus einen feurigen Track, der wie eine deutlich verführerischere Version von U2s Mysterious Ways daher kommt.

Der Todesfall erschütterte die Band ziemlich nachhaltig. “I think we all reached the breaking point after our last tour and needed to step back for a bit”, sagt Robert Been über diese Phase. Erstmals brauchte die Band danach länger als zwei Jahre, um ein neues Album zu bewerkstelligen. Das darauf verfolgte Prinzip ist ganz eindeutig: alles auf Null. „These songs brought us back to life and gave us a second chance”, sagt Robert Been. Die Band orientierte sich stark an ihrem ersten Album aus dem Jahr 2001. Aufgenommen wurde Specter At The Feast größtenteils in Dave Grohl’s Studio in Los Angeles, mit demselben Mischpult wie bei ihrem Debütalbum.

Die Vorstellung, der Black Rebel Motorcycle Club könnte mit diesem Album das Licht der Welt erblicken, ist durchaus reizvoll. Denn sie unterstreicht, wie wirkungsvoll ihr Garagenrock (der schon 2001 nicht zeitgemäß war) weiterhin ist. Nach ein paar seltsam experimentellen Takten liefert der Opener Fire Walker bereits die bekannten Zutaten: eher getragenes Tempo, Fuzz-Gitarre und einen Gesang, der eher eine Voodoo-Beschwörung ist.

Hate The Taste hat ein grandioses Bassriff (noch ein Markenzeichen dieses Trios), um das sich alles herumschleicht. „I wanna ride with you“ heißt die zentrale Zeile im Refrain, und das klingt durchaus wie das Versprechen eines Abenteuers. Teenage Disease wird rasant, Funny Games sogar richtig bösartig, Sell It endet mit einem kaputten Inferno, abgeschlossen von ein paar a-cappella-Sekunden. All das ist noch immer aufregend, sexy und mitreißend genug, um sich auch anno 2013 ganz spontan für dieses Trio zu begeistern, nicht nur als Fan der ersten Stunde.

„I need a rival“, heißt es im Refrain von Rival, mit viel Wah-Wah und reichlich Trommelwirbeln, und das ist eindeutig eine Kampfansage: Es soll erst mal irgendein Jungspund zeigen, dass er dieses Lederjacken-und-Sonnenbrillen-Ding so gut im Griff hat wie wir. Gerne wollen Black Rebel Motorcycle Club diese Power auch im Konzert unter Beweis stellen, kündigt Robert Been an: “I’ve never been more excited to play an album live before, these songs were born to be loud.”

Seinen besonderen Reiz gewinnt Specter At The Feast aber durch ein neues Element, das man vereinfacht ausgedrückt als Folge der Trauer betrachten könnte, die den Black Rebel Motorcycle Club während der Aufnahmen (nach den Session in L.A. war die Band auch noch im Joshua Tree und in Santa Cruz im Studio) umgab. Returning ist der erste Hinweis darauf, das mit entspannter Orgel-Atmosphäre aufwartet und an die intime Stimmung auf Howl erinnert. Some Kind Of Ghost, mit sehr fantasievollen Percussions, hat einen ganz ähnlichen Sound, Sometimes The Light verzichtet gar komplett auf Gitarre und Schlagzeug und gerät dadurch geradezu sphärisch.

Der beinahe neunminütige Rausschmeißer Lose Yourself klingt tatsächlich gebrochen, und auch das wunderbare Lullaby wäre früher undenkbar gewesen: Der Song klingt vielleicht nicht nach Frühlingswiese, aber zumindest nach jemandem, der die Sonne schon einmal gesehen hat. Eine Band, die immer wieder ihre Kraft unter Beweis stellt, aber sich diesmal auch ihre Verletzlichkeit eingesteht – das ist eine Kluft, die dem Black Rebel Motorcycle Club noch besser steht als die obligatorische Lederjacke.

Mit einer Serie von Kurzfilmen haben BRMC die Entstehung von Specter At The Feast dokumentiert:

Im April gibt es den Black Rebel Motorcycle Club live in Deutschland:

05.04. München, Muffathalle

07.04. Berlin, Astra

08.04. Hamburg, Große Freiheit

09.04. Köln, Live Music Hall

Homepage des Black Rebel Motorcycle Club.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.