Hingehört: Bob Dylan – „Highway 61 Revisited“ 2


Durch Mark und Bein: Bob Dylans Trip auf dem „Highway 61 Revisited“.

Künstler Bob Dylan
Album Highway 61 Revisited
Label Columbia
Erscheinungsjahr 1965
Bewertung ****1/2

Gleich den Auftakt macht die – laut einer Umfrage des NME im Jahr 1976 – „Top single of all time“: Like A Rolling Stone rechtfertigt dieses Votum gerade vom Text her. Bob Dylans „How does it feel?“ geht auch nach vierzig Jahren noch durch Mark und Bein. Der folgende Tombstone Blues prescht wie wild voran, halsbrecherisch, von einem fast maschinellen Beat getrieben.

Ballad Of A Thin Man beginnt mit einem unfassbar visuellen Sound, fast wie ein Film, und schafft es auch danach, mit ganz wenigen Mitteln eine makabre Energie aufrecht zu erhalten. Queen Jane Approximately gerät beinahe eingängig, der famose Titeltrack steckt voller Drive und raffinierter Leichtigkeit.

Und dann wäre da schließlich noch der Rausschmeißer. „Aus den Ideen, die in einem Song wie Desolation Row stecken, hätten andere eine LP gemacht“, urteilt der Rolling Stone ganz richtig. Und wie Dylan das singt! „Keine Stimme, aber welch ein Sänger“, hatten schon eine englische Zeitung nach Bob Dylans erster Tour im UK nicht ganz unzutreffend getitelt. In der Tat: klassisch gut gesungen ist hier nichts. Aber sein angemeines Gespür für den Rhythmus, seine subtilen Variationen erhalten über fast zwölf Minuten hinweg die Spannung des Songs. Wer da noch behauptet, Dylan könne nicht singen, der kann einfach nicht hören.

Auch für den Rolling Stone ist sein Gesang „reiner Manierismus und ganz und gar Kunst. Nichts ist nachlässig oder Verlegenhiet bei diesem Gesang – Dylan ist der absolute Stilist.“ Es sind beim besten Willen keine fehlenden Oktaven, kein mangelndes Volumen oder gar die angebliche Lungenentzündung in jungen Jahren, die Dylan so singen lassen. Er singt so, weil er so singen will.

Rock-Papst Greil Marcus weiß sogar, was dahinter steckt: „Die bewusste Zerstörung des herkömmlichen Popgesangs und des glatten, selbstzufriedenen Lebensstils, den er repräsentieren sollte.“

Like A Rolling Stone, mit Widmung für Bob Dylan, live gespielt von den, ähm, Rolling Stones:

Bob Dylan bei MySpace.


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