Hingehört: Bob Dylan – „Subterranean Homesick Blues“ 1


Auf „Subterranean Homesick Blues“ beweist Bob Dylan, dass er rocken kann.

Künstler Bob Dylan
Album Subterranean Homesick Blues
Label Columbia
Erscheinungsjahr 1965
Bewertung ****1/2

„Dass Dylan seine Musik elektrifizierte, hat in der Popmusikszene faktisch eine Revolution verursacht“, behauptet Dylan-Biograph Gottfried Blumenstein einfach mal so. In der Tat hievte Subterranean Homesick Blues, Dylans erstes Album mit einer komplett elektrischen A-Seite, aufgenommen in nur drei Tagen, seine (und alle) Musik auf ein ganz neues Level.

Es war „the album that integrated what he had learned from the success of British bands like The Beatles with his own, more poetic lyrics (…) demonstrating to musicians everywhere that they could also express their deepest feelings in rock’n’roll songs. This was the simple but nevertheless revolutionary idea“, hat Howard Sounes ganz treffend erkannt.

Und was für Rocksongs Bob Dylan hier abliefert! Gleich zu Beginn kommt der Titelsong um die Ecke gehechelt, wie aus dem Nichts, rennt immer schneller, stolpert, berappelt sich wieder – und hat bei all dem nicht nur die Faust geballt, sondern auch ein fettes Grinsen im Gesicht. „Don’t follow leaders / and watch your parking-meters.“ In Maggie’s Farm, On The Road Again und natürlich dem Outlaw Blues ist das Grinsen dann verflogen, lässt höchstens noch ein paar schmutzige (und sehr scharfe) Zähne durchschimmern: „Don’t ask me nothing about nothing / I just might tell you the truth.“

She Belongs To Me kommt viel sanfter, aber auch nicht weniger heimtückisch daher. Bob Dylan’s 115th Dream ist surreal, blasphemisch und schlicht genial.

Danach hebt die Platte völlig ab. Bei Mr. Tambourine Man, schon bei den Sessions zu Another Side Of Bob Dylan aufgenommen, möchte man wirklich nicht entscheiden müssen, ob die lyrische Klasse, die melodische Größe oder die rhythmische Perfektion das Stück zum Klassiker gemacht haben. Dann straft Dylan sich fast selbst Lügen: „No sound ever comes from the gates of eden“, singt er da, und klingt dabei doch selbst wie das jüngste Gericht.

It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding) analysiert, protestiert und resigniert, alles fast gleichzeitig. Nur Dylans Stimme und seine Gitarre. „This machine kills“ müsste darauf stehen. Schließlich It’s All Over Now, Baby Blue, dornig und heiß und roh, das Ende leugnend, doch dem Abschied schon fast enteilt. „Forget the dead you’ve left, they will not follow you.“

Gottfried Blumenstein hat schon ganz Recht, sieht er doch die komplette B-Seite des Albums als einen „wahrhaft grandiosen Abschied von der Folkmusik. Alle Songs dürfen als Meisterwerke gelten.“

Der endgültige Beweis, wie nachhaltig Bob Dylans Elektrifizierung war: Die White Stripes covern den Outlaw Blues:

Bob Dylan bei MySpace.


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