Hingehört: Bryan Adams – „Reckless“ 3


„Reckless“ beweist: Gute Songs müssen nicht peinlich sein.

Künstler Bryan Adams
Album Reckless
Label A&M Records
Erscheinungsjahr 1984
Bewertung ***

Eine ganze Weile war dies das erste Album in meiner (selbstverständlich alphabetisch geordneten) CD-Sammlung. Und das war mir ein bisschen peinlich. Irgendwann habe ich mir dann Abba Gold gekauft, womit das Problem gelöst war.

Trotzdem ist nicht zu leugnen: Bryan Adams ist sehr nahe an der Definition von uncool. Eben sehr Mainstream, zu wohl gar. Aber ich habe ja nichts gegen Mainstream, wenn er gute Songs mit sich bringt. Und davon hat dieses Album einige. Schließlich war Bryan Adams ja vor seiner Solo-Karriere Songschreiber für andere Leute, der Mann weiß also, wie es geht.

Natürlich sind ein paar peinliche Sachen drauf, wie Ain´t Gonna Cry oder She´s Only Happy When She´s Dancing, aber es waren eben die 1980er. Natürlich hat man inzwischen auch gelernt, Summer Of ´69 zu hassen. Aber das liegt ja an den Zeltkirmes-Leuten und ihren Reaktionen beim Ertönen der ersten Akkorde dieses Liedes, nicht an dem Lied selbst. Es ist ein Klassiker, da geht nix dran vorbei.

Auch sonst ragen vor allem die Singles heraus (noch so eine Mainstream-Unsitte!). It´s Only Love rockt recht famos und ist selbst von Tina Turner nicht kaputtzukriegen. Run To You ist freilich noch ein okayer Song. Man erinnere sich an die glorreiche Coverversion des völlig zu Recht vergessenen Dancefloor-Acts En-Rage aus dem Jahr 1992. Sowas muss ein Song erstmal aushalten.

Sehr geil ist auch Somebody, ich muss dabei immer an eine Konzertaufzeichnung denken (in Belgien, glaube ich), wo es in Strömen geregnet hat, aber die Fans total auf das Lied abgegangen sind. Rock ´n roll, sage ich.

Mein Lieblingssong auf der Platte ist allerdings die herrliche Schnulze Heaven. Noch heute  gerate ich manchmal dabei in Versuchung, mir ein Mikrostativ zu schnappen, zu posieren und dabei lauthals mitzuträllern, notfalls in der Küche. Wie gesagt: etwas peinlich schon. Aber als ich mir die Scheibe gekauft habe, war ich fünfzehn oder so, und da hat mir die Musik eine Menge bedeutet. Sowas verbindet. Insgesamt ein tolles Vergnügen, zudem mit 38 Minuten eine erträgliche Dosis.

Die erwähnte Live-Version von Somebody habe ich leider nicht gefunden, deshalb gibt es Heaven:

Bryan Adams bei MySpace.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

3 Gedanken zu “Hingehört: Bryan Adams – „Reckless“