Hingehört: Chuck Berry – „Roll Over Beethoven“


Chuck Berry: zügellos – und immer in bar bezahlt.

Künstler Chuck Berry
Album Roll Over Beethoven
Label Back Biter
Erscheinungsjahr 1995
Bewertung ****1/2

Ohne Gospel kein Elvis, ohne Berry keine Beatles.

Und ohne Cash kein Berry. Die Gage ließ er sich immer schon vor den Konzerten auszahlen, bar auf die Kralle. Nur eine der Eigenarten des schrägen Rock´n Roll-Urgesteins. Auch musikalisch war Chuck Berry ein Unikat. Wer ihn einmal auf der Bühne gesehen hat, bekommt eine Ahnung davon, wie viel dieser Mann dem Rock´n Roll tatsächlich gegeben hat. Unvergleichliche Posen und unvergessliche Songs.

Maybellene hat 46 Jahre auf dem Buckel und ist dennoch pure Energie. Auch Roll Over Beethoven setzt auf 2/4-Takt, im Hintergrund liefert die Orgel dazu Karibik-Sounds, die auch in Let It Rock und vor allem Rock´n Roll Music auszumachen sind. Noch cleverer ist das Duell zwischen Gitarre und Gesang im famosen School Days. Sweet Little Sixteen hat immerhin Brian Wilson gut genug gefallen, um daraus Surfin´ USA zu machen, wobei das Original wilder und bedrohlicher ist. Auch in Johnny B. Goode werden reichlich Städte und Landschaften aufgezählt – eine Masche, die Chuck Berrys Texte noch mehr im Leben verwurzelte, noch echter und glaubwürdiger machte.

Warum Eltern damals solch eine Heidenangst vor dieser Hotten-Totten-Musik hatten, lässt Little Queenie erahnen: zügellos, rebellisch und aufpeitschend. So wie in Run Rudolph Run dürften sich damals einige Kids gewünscht haben: „All I want for christmas is a rock´n roll electric guitar.“

Schwer zu spielen war diese Musik ja wirklich nicht, auch Chuck Berrys Kompositionen beschränken sich meist auf die hinlänglich bekannten Blues-Skalen und -Schemata. Aber nur Chuck Berry konnte dazu eine so zwingende Alltags-Lyrik schreiben wie Thirty Days. Und nur Chuck Berry konnte gemeine Standards so zum Rocken und Rollen bringen. „Well, if you feel it and like it, go get your lover / then reel and rock it, roll it over / then move on up, yes, and try for further / then reel and rock with one another / roll over Beethoven / dig this rhythm and blues.“

Das urgewaltige Maybelline, das nicht einmal die steife Begleitband zu Jazz machen kann (obwohl sie ihr bestes gibt):

Chuck Berry bei MySpace.

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