Hingehört: Cracker – „Countrysides“ 1


Cracker machen Country. Jetzt auch ganz offiziell.

Künstler Cracker
Album Countrysides
Label Cooking Vinyl
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung ***

„Cracker goes Country“, schreibt die Plattenfirma – und das klingt fast wie eine Warnung. Im ersten Moment ist man sich auch wirklich nicht sicher, ob sie das ernst meinen können. Das volle Programm wird aufgefahren, vom Banjo bis zum Akkordeon. Für einen Augenblick muss man eine Parodie vermuten: Nicht viel anders kamen die Country-Songs von Ween daher, und so ähnlich würde wohl auch eine Countryplatte der Beastie Boys klingen.

Doch schnell wird deutlich, wie sehr die Band um den ehemaligen Camper-van-Beethoven-Kopf David Lowery schon immer den amerikanischen Traditionen verbunden war – und wie kritisch Cracker stets damit umgingen. Auch einige der auf Countrysides versammelten Stücke haben nach dem „Krieg gegen den Terror“ und seinen Folgen eine erstaunliche Aktualität.

Eine Sammlung von Coverversionen ist also kein Stilbruch, sondern nur konsequent. Zumal auch bei Soundchecks oder im Zugabenteil ihrer Konzerte gelegentlich Merle-Haggard-Songs oder Dwight-Yoakam-Stücke erklangen. Beide kommen auch hier zu Ehren. Yoakams Buenas Noches From A Lonely Room fehlt in der Cracker-Version die letzte Inbrunst und das Existenzielle. Die Haggard-Stücke gelingen besser: The Bottle Let Me Down scheppert herrlich unbelehrbar, in Reasons To Quit klingt Lowerys Stimme völlig kaputt, und will doch gar kein Mitleid.

Weitere Höhepunkte sind Ike Reileys unzerstörbares Duty Free, ein augenzwinkerndes Family Tradition (im Original von Hank Williams Junior) und vor allem das mitreißende Up Against The Wall Redneck Mothers, geschrieben von Ray Wylie Hubbard. Eine Eigenkomposition gibt es zum Schluss auch noch. Ain’t Gonna Suck Itself ist eine ebenso amüsante wie bitterböse Abrechnung mit Crackers Ex-Plattenfirma Virgin. Die wollte keine Countryplatte veröffentlichen und feuerte die Band lieber.

Auch das neue Label ist offensichtlich etwas vorsichtig, doch Warnungen müssen gar nicht sein. „Cracker goes Country“ ist eher die lange erwartete Einlösung eines Versprechens.

Unkaputtbar und herrlich laid back: Eine Live-Performace von Duty Free, von ganz oben:

Cracker bei MySpace.


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