Crash Conspiracy – „Forward Rewind“


Künstler Crash Conspiracy

Crash Conspiracy sind schon jetzt die Zukunft.

Crash Conspiracy sind schon jetzt die Zukunft.

Album Forward Rewind
Label IME
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung

Eigentlich hätte diese Erklärung schon genügt, um für einige Aufmerksamkeit zu sorgen: Crash Conspiracy sind die neue Band von Aydo Abay, ehemals Sänger von Blackmail. Ein Ex-Rocker macht also auf Electro? So einfach wollte es sich der Mann, der das einzig feste Mitglied von Crash Conspiracy ist, dann wohl doch nicht machen. Und deshalb ist die Erklärung, was sich nun genau hinter Crash Conspiracy verbirgt, ein bisschen schwieriger geworden. Und spannender.

Denn im Prinzip ist diese Band bloß virtuell, eine Vision aus der Zukunft. Crash Conspiracy sorgen für die Musik in Alpha 0.7 – Der Feind in Dir, einem Fersehexperiment von Sebastian Büttner und Oliver Hohengarten. Sie betrachten darin die Entwicklung weg von der Privatsphäre und hin zum Überwachungsstaat im Jahr 2017 und entwerfen dazu eine Zukunftsidee, zu der auch Radioprogramme und Internetaktionen gehören. Und Crash Conspiracy als Band aus dem Film, die mit dem Album <> (was sie wohl Forward Rewind nennen, wenn sie darüber sprechen) wie einst die Hansen Band nun quasi den Sprung von der Leinwand ins echte Leben macht.

„Das Thema war noch nie so aktuell, gleichzeitig aber auch noch nie so diffus. Es ist ein schleichender Vorgang, die Dinge gleiten ab. Es ist nicht greifbar, aber man fühlt, dass es nicht gut ist“, sagt Aydo über den Kampf zwischen Datenschutz und Sicherheitswahn. Er hat mit verschiedenen Mitstreitern (unter anderem Simon Werle von Werle & Stankowski) versucht, dafür eine Entsprechung im Sound zu finden. Aydo selbst beschreibt das Ergebnis ganz treffend: „Die Platte ist von Vorstellungen inspiriert, die man sich als Kind von der Zukunft gemacht hat. Sie hat eine gewisse Buck-Rogers-Ästhetik, ist aber auch voll von 1980er-Synths, die wir zu integrieren versucht haben. Eigentlich ist da alles zusammengefügt, was die Vergangenheit so zu bieten hat. Das Neue gibt es ja in dem Sinne nicht, und 2017 schon gar nicht.“

Wenn die sechsteilige Fernsehserie nur halb so gelungen ist wie diese Platte, dann dürfte das ein durchaus erstaunliches TV-Ereignis sein. Denn Forward Rewind ist mutig und modern, voller Ambition und Abwechslung.

Das beweist schon Protester, der erste Song (nach einem Noise-Intro mit Störgeräuschen und einer gespenstischen Keyboardmelodie): Stimme, Gitarre und Schlagzeug bleiben ganz sanft, sodass man sich schon im Lande Notwist wähnt. Doch irgendwo im Sound ist da auch ein fieses Röcheln – und tatsächlich auch eine Blaskapelle, die für einen erstaunlich satten Bass sorgt.

Diese Richtung erkundet Sleeplab dann ohne jegliche Schüchternheit weiter. Der Gesang ist plötzlich verzerrt, der Beat könnte von den Chemical Brothers oder Underworld stammen. Monotype gerät dagegen fast konventionell: Ein forscher Beat, eine robuste Piano-Figur à la Coldplay und der Gesang von Aydo Abay durchaus in der Nähe von Placebos Brian Molko.

So geht es weiter durch die Charts des Jahres 2017: Der Geist von Brian Eno schaut kurz vorbei (2014), sehnsüchtiger, etwas melancholischer Pop im Stile von beispielsweise Roman Fischer ist gefragt (Wright), die Pet Shop Boys sind noch immer eine gewichtige Referenz (The Escapist). Protest-Hymnen klingen wie kaputte Kinderlieder (Moonlit), und eine gute Dosis Zweifel mit einer kleinen Prise Aggressivität ergibt noch immer eine extrem spannende Kombination (Everything).

Das Beste an Forward Rewind ist eigentlich: Ohne die Idee zu Alpha 0.7 wäre diese Platte nie entstanden. Doch nun ist die Musik stark genug, dass sie diesen Kontext eigentlich gar nicht braucht. Zumindest, was die Musik angeht, scheint zu gelten: Man darf sich freuen auf 2017.

Ehrensache: Der Chor für das fesselnde Moonlit wurde natürlich im Netz gecastet. Und das Ballett bleibt hübsch anonym:

Crash Conspiracy sind nicht bei MySpace, haben dafür aber eine sehr spannende eigene Homepage.

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