Hingehört: Cro – „Raop +5“


Auf "Raop+5" bietet Cro mehr als Resteverwertung.

Auf „Raop+5“ bietet Cro mehr als Resteverwertung.

Künstler Cro
Album Raop +5
Label Chimperator
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Etwa 640 Liter Milch pro Jahr gab eine Kuh in den 1950er Jahren, als die Rinder auf der Weide noch den pittoresken Hintergrund für Die Mädels vom Immenhof oder Der Förster vom Silberwald abgaben. Heutzutage liegt dieser Wert bei bis zu 10.000 Litern. Dank optimiertem Futter und intensiver Züchtung wurde der Ertrag vervielfacht.

Eine ähnliche Steigerungsrate hat auch die Musikindustrie vorzuweisen, wenn es darum geht, möglichst viel aus ihren erfolgreichsten Künstlern herauszuholen. Kaum jemand bietet sich für diese Strategie so gut an wie Deutschrap-Senkrechtstarter Cro: Innerhalb eines Jahres gab es Doppelplatin für sein Debütalbum Raop, Platin für alle Singles, zwei Echos und einen Bambi. Insgesamt fast zwei Millionen Einheiten wurden von der Musik des Stuttgarters verkauft. Jetzt gibt es Raop noch einmal neu, erweitert um fünf neue Lieder und demnach sinnigerweise Raop+5 genannt.

Cro jetzt vorzuwerfen, dass er sich da als Melkvieh hergibt, wäre allerdings falsch. Zum einen zwingt er (zumal im Zeitalter von iTunes) keinen Fan, der die zusätzlichen Tracks haben möchte, das Album noch einmal neu zu kaufen: Wer bloß die neuen Stücke haben will, kann die Maxi von Whatever kaufen, auf der vier davon vertreten sind. Zum anderen bringt der Ex-Mediengestalter auch nach wie vor gerne komplett kostenlose Musik unters Volk. „Als Dankeschön setz ich mich direkt ans nächste Mixtape und hau das wieder für umsonst ins Netz raus“, kündigte er unlängst an. Das Mixtape namens Sunny mit 14 Tracks ist mittlerweile bei chimperator.de zu haben.

Statt über Ausverkauf zu lamentieren, sollten wir also lieber einen Blick auf die neuen Tracks werfen. Und, so viel vorweg: Raop+5 ist weit davon entfernt, ein Schnellschuss oder Resteverwertung zu liefern. Die neuen Lieder halten locker das Niveau von Raop.

Whatever, schon wieder eine Nummer-1-Single, überrascht am Beginn mit einer E-Gitarre und setzt dann auf ein putziges Kate-Nash-Piano. Wieder herrscht in diesem Track die Cro-typische Unbeschwertheit, die Feier des Moments, „Gib mir ein Beck’s / ich kipp es auf Ex“ – das hat alles, was ein Sommerhit braucht. Bei Ab jetzt steht eine Orgel im Zentrum und auch hier gibt es von Cro wieder die Beschwörung: Der Gründe sind reichlich, um gut gelaunt und zufrieden zu sein, zumal man sein Glück letztlich selbst in der Hand hat.

Bei Dir, mit nettem und sehr gekonntem Westcoastflair, ist wohl eine Reaktion auf den Touralltag und das, was man dabei verpasst und vermisst. Das zentrale Riff für Chillin besteht schätzungsweise aus einem Holzblasinstrument, das sich als Wah-Wah-Gitarre verkleidet hat, der Text preist das entspannte Gammeln mit der Liebsten. Das könnte man sich wunderbar auch von den Fantastischen Vier vorstellen. Das verspielte Wie Du hingegen weckt eine andere Assoziation: Der Track wird zum Hohelied auf die Freundschaft, ist (wie fast alles von Cro) mitten aus dem Leben und kümmert sich im Zweifel lieber um Pop-Appeal denn um Street-Credibility. Das hat Mike Skinner immer ganz ähnlich gemacht (auch wenn der natürlich öfter das Soziale insgesamt in den Blick nahm statt nur das Zwischenmenschliche).

Wer Raop+5 kauft, bekommt übrigens noch zwei Bonustracks zum regulären Album dazu, nämlich Hässlich (Thema: Es ist nicht alles Gold, was glänzt – das gilt auch im Hinblick auf Frauen) und Papa schüttelt seinen Kopf (Thema: Das Leben als junger Mensch ist ganz anders als es noch für unsere Eltern war; mit der schicken Zeile „Ihr hattet junge Beatles / wir ’nen alten Dieter Bohlen“). Das ist dann wohl tatsächlich kein Nepp, sondern, pardon, Cro-ßzügig.

Party, Sommer und Pandamaske sind die überraschenden Leitmotive im Video von Whatever:

Homepage von Cro.

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