Danger Mouse & Daniele Luppi – „Rome“


Künstler Danger Mouse & Daniele Lupi

Einmal Morricone und zurück, bitte - das ist das Motto von "Rome".

Einmal Morricone und zurück, bitte – das ist das Motto von „Rome“.

Album Rome
Label Emi
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung

Es gibt eine Menge Aufkleber, die auf CD-Covern nach Aufmerksamkeit heischen. „Bekannt aus Funk & TV“. „Parental Advisory: Explicit Lyrics“. „Mit den größten Hits der Achtziger und Neunziger“. All diese CDs werden trotzdem gekauft. Aber sollte sich tatsächlich jemand durchringen können, ein Album zu kaufen, auf dem dieses Etikett prangt: „White Stripes ohne Eier, Überbleibsel vom unbekanntesten Air-Album und der Geist von Ennio Morricone“? Womöglich nicht. Rome von Danger Mouse und Daniele Luppi ist allerdings genau dieses Album – wenn auch ohne Sticker.

Es wird trotzdem eine Menge Leute geben, die sich die Scheibe in den Plattenschrank stellen werden. Denn auf Rome ist die personifizierte Coolness am Werk: Star-Produzent Danger Mouse ist schließlich der Mann, der aus dem Untergrund kam, Hits für Gnarls Barkley fabrizierte, sich mit der Musikindustrie anlegte und aktuell gerade mit U2 im Studio ist. Italiens Star-Komponist Daniele Luppi hat unter anderem Sex And The City vertont. Dier Gesang kommt von Jack White, der vielleicht glaubhaftesten Verkörperung des Konzepts „Rockstar“, die das 21. Jahrhundert noch zu bieten hat, und von Norah Jones, die Credibility mit Mega-Erfolg und einem Beatles-Intimus im Stammbaum vereint. Und sie alle wandeln hier auf den Spuren von Ennio Morricone, der mit seinen Soundtracks seit knapp 20 Jahren mindestens ebenso Kult ist wie Sergio Leones Kino-Klassiker, denen er die kongenialen Klänge verpasst hat, von Once Upon A Time In The West bis The Good, The Bad & The Ugly.

Danger Mouse (den seine Mutter wahrscheinlich weiterhin einfach Brian Burton nennt) und Daniele Luppi haben fünf Jahre lang an Rome gearbeitet. Nicht nur das zeigt, wie viel Liebesmüh in diesem Album steckt. Um das Ganze wirklich stilecht zu machen, haben sie auch das legendäre Ortophonic Studio in Rom gebucht, in dem Ennio Morricone einst arbeitete. Sie haben nur analoges Equipment aus den Sechzigern und Siebzigern benutzt und live aufgenommen – mit einigen der Musiker, die schon damals für Morricone gespielt haben.

Das ist viel Hintergrund für gut 35 Minuten Musik. Aber man braucht diese Fakten, um Rome verstehen zu können. Mitunter braucht man den Kontext auch, um die Musik überhaupt relevant zu machen.

Denn Rome ist natürlich sehr elegant und wohlklingend. Die 15 Stücke sind ebenso flüchtig wie üppig. Sie sind theatralisch, ohne bombastisch zu sein – und fast immer durchweht von einer sanften Melancholie. Aber sie sind manchmal auch bloß hübsch – und sonst nichts.

Bongos machen den Auftakt, es folgt eine bedeutungsschwangere Gitarre und eine geheimnisvolle Sopranstimme – tatsächlich fühlt man sich sofort, als sei man inmitten eines Italowesterns gelandet. Vieles erinnert an den Soundtrack, den Air einst für The Virgin Suicides beigesteuert haben, anderes an die atmosphärischsten Momente von Radiohead oder an die Herangehensweise der Last Shadow Puppets.

Auch die beiden Gaststars können nur bedingt für Unbedingtheit sorgen. Jack White leidet in The Rose With A Broken Neck an der Zeit, Norah Jones säuselt sich durch Season’s Trees. Auch auf Two Against One beweist Jack White (der seinen Gesang übrigens im Nachhinein in Nashville beigesteuert hat), dass er zu Unrecht weiterhin nach wie vor in erster Linie als (E-)Gitarrengott gehandelt wird – seine Stimme muss längst genauso als Markenzeichen gelten. Norah Jones (deren Gesang in Los Angeles aufgenommen wurde) hingegen führt in Problem Queen all den Analog-Purismus ad absurdum, denn das Lied klingt verdammt nach den ebenso entspannten wie hörenswerten Ergebnissen, die Morcheeba schon vor zehn Jahren ihren Rechnern entlockten. Jack White setzt dann mit The World den Schlusspunkt und ist dabei ganz nahe an dem, was schon die Small Faces unter einem Gesamtkunstwerk verstanden.

Das bedeutet insgesamt: Rome hat seine Momente, ist aber alles in allem gezeichnet von einer gewissen Belanglosigkeit, am besten verkörpert von der Celesta, die hier vor allem in den instrumentalen Passagen immer wieder das dominierende Instrument ist und hübsche Kinderlied-Melodien erklingen lässt. Über weite Strecken sind Danger Mouse und Daniele Luppi hier tolle Traditionalisten, bieten aber nicht mehr als Wohlklang.

Black ist ein interaktives Video. Wer mit Google Chrome surft, kann hier ganz neue Welten entdecken:

Danger Mouse bei MySpace.

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